„Einen Espresso, bitte – was sonst?!“ – Das Dersut-Kaffeemuseum Museo del Caffè in Conegliano

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Das Kaffeemuseum "Museo del Caffè" in Conegliano. © DERSUT CAFFE’ S.P.A.

Conegliano, Italien (Gastrosofie). Am Schaft vom Schuh, am rechten oberen Ende Italiens, da liegt die Region Venetien und in ihr die Provinz Treviso, durch die sich der Fluss Monticano am Fuße des Colli Veneti schlängelt. An dessen Ufer erstreckt sich die Stadt Conegliano, die seit Jahrzehnten berühmt ist für ihren Duft.

Kaffeeduft

Vor dem Museo del Caffé von Dersut in Conegliano. © DERSUT CAFFE’ S.P.A., BU: Stefan Pribnow

wabert seit Ende des 2. Weltkrieges durch die hügelige und dieser Tage mit einem satten Grüne aufwartende Weinanbau-Gegend, die für ihren Prosecco weltberühmt ist. Genau genommen gilt Conegliano als Ausgangsort für die Prosecco-Straße, die über die Dörfer führt, dort, wo sich reiche Venezianer fern von Terrormücken und nicht weniger nervende Touristen Sommerresidenzen errichteten.

Auf jeden Fall sind in Conegliano Reisende willkommen. Die historischen Altstadt lockt mit ihren Palästen und Plätzen, aber auch das Museo del Caffè genannte Dersuit-Kaffeemuseum, in dem es köstlich duftet.

Die Kaffeerösterei geht in die dritte Generation

Die Familie Caballini di Sassoferrato. © DERSUT CAFFE’ S.P.A.

1947 wurde dort eine Kaffeerösterei gegründet, die 1949 von Conte Caballini di Sassoferrato übernommmen wurde, weil dessen Ehefrau Elisabetta Gianfrè diesen Wunsch hegte. Kein Wunder, war doch Elisabettas Vater Luigi einer, der mit Rohkaffee in Triest Handel trieb und Bruder Armando Inhaber der Excelsior Industria Caffè Torrefatto in Triest.

Also baute Elisabettas Mann mit seinen Lohnarbeitern Dersut Caffè aus. Vincenzo Caballini di Sassoferrato arbeitete zuvor bei Fiat, doch anschließend in Conegliano so gut, dass er 1960 mit dem Titel „Cavaliere al Merito della Repubblica Italiana“. In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts stieg Giorgio der aktuelle Geschäftsführer ein, in den 90er Jahren folgte Lara, die Enkelin des Gründers. Derzeit steht die jüngste Tochter des Conte Giorgio vor ihren Eintritt ins Familienunternehmen, nach ihrem Studium. Die Geschichte von Dersut ist also auch die Geschichte dreier Generationen der Familie Caballini di Sassoferrato.

Das Kaffeemuseum „Museo del Caffè“ in Conegliano. © DERSUT CAFFE’ S.P.A.

Dass die Italiener sich weltweit für die anspruchsvollsten und kultiviertesten Kaffeetrinker halten, das muss nicht noch erwähnt werden, aber das Dersut angeblich nur die besten Kaffeebars beliefert, das schon. Wer kann das von sich behaupten?

Bevor die Bohnen in der Rösterei landen, haben sie schon eine lange Reise in Big Bags genanten 600- Kilogramm-Polypropylensäcken hinter sich oder locker und lose in Containern. Nach wie vor kommen die rohen Bohnen vor allem der Sorten Arabica und Robusta auch noch wie eh und je in traditionellen Jute- oder Sisalsäcken in Conegliano an, wo sie geröstet und gemischt, gelagert und verpackt werden. Genaueres erfähren Gäste von Dersut im

Museo del Caffè

In der ersten Abteilung des nüchtern wirkenden, modernen und zweigeschossigen Fabrikgebäudes mit großen Fensterfronten, die das Sonnenlicht hereinlassen, wird über die Kaffeepflanze informiert und die Steinkerne der Kaffeekirschen in die Hand nehmen. In einem kleinen Gewächshaus mit einer konstanten Temperatur von 22 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 70% kann man einer Kaffeepflanze beim Wachsen zusehen.

Das Kaffeemuseum „Museo del Caffè“ in Conegliano. © DERSUT CAFFE’ S.P.A.

In der zweiten Abteilung wird das Rösten der Kaffeebohnen thematisiert. Verschiedene Röstanlagen werden vorgestellt. Vom Handröster bis zur elektromechanischen Anlage ist allerlei Altes mit dabei. Durch das Rösten verlieren die grünen Kaffeebohnen an Gewicht, nehmen an Volumen zu und werden brutzelig braun. In dieser heiklen und wichtigen Phase des Produktionsprozesses mit einer flüchtigen Dauer von zehn bis zwanzig Minuten wird das charakteristische und bisweilen betörende Aroma freigesetzt. Dersut hat zudem ein eigenes Röstsystem für jeden Single-Origin entwickelt. Das betrifft vor allem den berühmten italienischen Espresso.

Das Kaffeemuseum „Museo del Caffè“ in Conegliano. © DERSUT CAFFE’ S.P.A.

In der dritten Abteilung im oberen Stockwerk des Gebäudes wird die Geschichte des Mahlens und der Kaffeemaschine präsentiert. Maschinen aus sieben Jahrhunderten sind darunter, die in Epochen gegliedert und in Modelle für Haus und Kaffeebar unterschieden werden. Sogar Kaffeekannen werden gezeigt, darunter seltene und sehr wertvolle Stücke.

Die vierte und letzte Abteilung ist der Geschichte der Espressomaschinen für die Kaffeebar beziehungsweise das Café gewidmet.

Doch das Beste kommt zum Schluss: die haus- beziehungsweise museumseigene

Kaffeebar

Ein Blick in die fabrik- beziehungsweise museumseigene Dersut-Kaffeebar in Conegliano. © DERSUT CAFFE’ S.P.A., BU: Stefan Pribnow

Nach Lust und Laune dürfen sich die Besucher durch die Sorten trinken und die Produkte aus dem Werksverkauf mitnehmen. Wie wäre es mit dem Non Plus Ultra? Die hundertprozentige Mischung aus sorgfältig ausgewähltem, bestem Arabica, natürlich und gewaschen, überzeugt mit starken Aromen und guter Intensität. Wer Schokolade, Toastbrot sowie Geschmacksnoten von Blüten und Zitrusfrüchten schmeckt und mag, der liegt kaffeebohnenbraunrichtig.

Unter den über einem Dutzend Produkten ist auch die Selezione del Conte genannte Auswahl des Grafen. Hundert Prozent Arabica mit sanftem, eher leichtem Geschmack, dennoch intensivem Aroma und guter Intensität.

Eine Auswahl der Produkte von Dersut Caffè. © DERSUT CAFFE’ S.P.A.

Eine noch stärkere Intensität bei immer noch sehr gutem Aroma bietet der Oro von Dersut Caffè. Als Muntermacher-Mischung für den frühen Morgen wird er vom Conte vorgestellt. Eine runde und zugleich kräftiger Kaffee, bei dem die Birne Blüten treibt. Wirklich: Blüten und Fruchtaromen zeichnen den prächtigen Oro aus und dafür wurde er immer wieder von Fachleuten prämiert. Chapeau!

Das gilt jedoch auch für die Kaffeebohnenmischung Sublime. Sehr gutes Aroma, ebenfalls Blüten- und Fruchtaromen, sehr gute Intensität, voller Geschmack.

Für den Abend raten wir zum Kaffee Salvador Single-Origin genannten Produkt. Der Salvador aus hundertprozent Arabica gilt als sanft und schonen trotz seines starken und vor allem würziges Aroma sowie seiner sehr guten Intensität.

Bei diese Qual der Wahl darf König Kunde beim Conte auch einfach sagen: „Einen Espresso, bitte – was sonst?!“

Dersut Caffè S.p.A.

Adresse: Via T. Vecellio, 6, 31015 Conegliano TV, Italien

Kontakt: Telefon: +39 0438 411200, E-Mail: museodelcaffe@dersut.it

Heimatseite im Weltnetz: dersut.it

Facebook: https://www.facebook.com/dersutcaffespa/

Öffnungszeiten Kaffeemuseum: Montags bis freitags von 8 Uhr bis 12.30 Uhr und von 14.30 Uhr bis 18 Uhr, freitags nur bis 17 Uhr. Samstags und sonntags geschlossen.

Anmerkung:

Die Recherche wurde vom Projekt Eat Jesolo sowie von der Beratungsagentur Vision and Mission unterstützt.