Berlin, Deutschland (Gastrosofie). „Zur ersten Ausgabe von Taste The District“ wurde zu Sonntagabend, den 21.6.2026, auf den Winterfeldplatz im Berliner Bezirk Schöneberg eingeladen. Mitten auf dem beinahe rechteckigen Platz mit heute häßlicher Bebauung sowie einem gewitzigt Park genannten Penner- und Pausengrün, das nach Ursula Mamlok, die 1923 als Ursula Meyer in Berlin geboren wurde und 1939 vor Faschisten flüchten mußte, benannt wurde, und hinter der eher schmucklosen römisch-katholische Pfarrkirche St. Matthias, stand eine rund 30 Meter lange Tafel aus mehreren Tisch mit Bänken ohne Rückenlehne.

Die Tafel war zwar nicht klassisch eingedeckt, doch darüber hingen an schönen Schnüren gute Brote, Baguette, Brötchen und Bretzel von schwarzen Decken mehrerer Faltpavillons, die über der Tafel zusammengestellt waren, herab.. Wir saßen also im Trockenen und die sengenden Sonne über Brandenburg wußten Wolken, die nach Regen aussahen, abzumildern. Der Himmel über Berlin war beachtlich bedeckt, der Tisch armselig gedeckt.

Die begehrten Hänge- und nicht Bückware kam von der 2019 in Berlin von Thanos Petalotis und Kolja Orzeszko gegründeten Firma KEIT. Deren Produkte, vor allem Sauerteigbrote, würden, so heißt es auf deren Heimatseite KEIT.Berlin im Weltnetz, „aus lokalen Zutaten, die aus einem Umkreis von 100 Kilometern um Berlin stammen“, inmitten dieser Agglomeration gebacken werden. Auf der besagten Heimatseite steht auch, daß sich der Name KEIT von den Begriffen „Nachhaltigkeit, Verlässlichkeit und Dankbarkeit“ ableiten würde. Verläßlichkeit ist, so sehe ich das, die höchste Tugend.

Daß es nicht nur in Berlin-Friedrichshain einen Laden gibt, in denen die Produkte von KEIT verkauft werden, sondern auch in Berlin-Schöneberg und zwar in der Goltzstraße, das versteht sich von selbst, schließlich soll der Bezirk bei Speis und Trank auf dem Platz „entdeckt“ werden.

1. Gang

    Nachdem ich das Glas mit Spätburgunder Extra trocken Sekt b.A. Rheinhessen geleert hatte, trank ich Tee. Gekühlte Dosen der ROY Kombucha GmbH standen auf den Tischen. Dosen der Sorten ROY Ginger Kombucha BIO, ROY Raspberry Kombucha BIO und ROY Ccumber & Mint Kombucha gingen weg wie Baguette mit Butter und Beilagen. Das eine kam von Le Bretagne Schöneberg, einem Café mit Pâtisserie und Croissanterie, das Gästen Speis und Trank sowie 30 Sitzplätze anbietet, draußen und drinnen, wenn das Wetter mitspielt. Käse kam von der Bert & Boni Cheeserie. Hummus vom „Hummus Studio“ (Eigenschreibweise) war wohl alle. Jedenfalls erreichte mich keine der bekannten Hummus Bowls, die in der Barbarossastraße mit fluffiger Pita und hausgemachter scharfer Salsa Verde serviert werden. Schade eigentlich!

    Essen, das während der Veranstaltung „Taste The District“ auf der Berliner Tafel auf dem Winterfeldtplatz in Schöneberg aufgetischt wurde.
    © Münzenberg Medien, Foto / BU: Stefan Pribnow, Ort und Datum der Aufnahme: Berlin, 21.6.2026

    2. Gang

    Nach dem ersten Act folgte der zweite mit Stückchen von Obst und Gemüse auf Platten. Dazu wurden bunte Stoffe in den Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter und umami fürs wilde Kombinieren gereicht. Da hatten sich Kit Schulte von The Food Culture Project etwas für Lust und Laune der geladenen Leute ausgedacht, das nicht nur eine Augenweide war, sondern auch ein Gaumenschmaus für alle, die damit etwas anfangen können, wollen und dürfen.

    Essen, das während der Veranstaltung „Taste The District“ auf der Berliner Tafel auf dem Winterfeldtplatz in Schöneberg aufgetischt wurde.
    © Münzenberg Medien, Foto / BU: Stefan Pribnow, Ort und Datum der Aufnahme: Berlin, 21.6.2026

    3. Gang

    Der dritte Akt für alle, die an dieser Veranstaltung teilnahmen, wurde mit „Street Food“ bezeichnet und bekommen hatt ich vom Restaurant Boccacelli am Winterfeldtplatz Pizza im Pappkarton. Auf dem Teig angeblich „handverlesens, frisches Gemüse von lokalen Märkten“. Pizza Berlusconi oder Pizza Burrata, Pizza Dolce Vita oder Pizza Cesare, Pizza Don Corleone oder Pizza Popeye Spinaci, Pizza Cosa Nostra oder Pizza Leonardo da Vinci, Pizza Pavarotti oder Pizza Adriano Celentano, Pizza Gina Lollobrigida oder Pizza Sofia Loren wurden nicht an meinem Platz serviert und auch nicht Pasta und Pescare, von Burrata Boccacelli und Vitello Tonnato ganz zu schweigen. „Toms Wurst“ mit Ketchup und weitere Speisen ließen den Gourmet unter den Gourmands Verzicht üben.

    Essen, das während der Veranstaltung „Taste The District“ auf der Berliner Tafel auf dem Winterfeldtplatz in Schöneberg aufgetischt wurde.
    © Münzenberg Medien, Foto / BU: Stefan Pribnow, Ort und Datum der Aufnahme: Berlin, 21.6.2026

    4. Gang

    Auch aus dem Hasir genannten Restaurant Nähe Nollendorfplatz wurden weder Köfte, Pide und Mezze gereicht. Nein, „ein Fest für Feinschmecker“, wie auf der Heimatseite der Emsal Gastro GmbH im Weltnetz zu lesen steht, wurde von dieser Gesellschaft mit beschränkter Haftung auf dem Winterfeldtplatz nicht geboten, sondern wohl „Dürüm Döner“ genannter Dreck, der bei mir nicht ankam, weil er wohl nicht für alle reichte. Hier und da war eine Flasche Heitlinger Grauburgunder trocken und Berliner Pilsener zu sehen. Berliner Bier zur Berliner Currywurst. Wohlsein!

    Als ich für die Reste des vierten Aktes an der Reihe war, verzichtete ich auf Reis ohne Curry von der Amrit genannten Restaurant-Kette. In der Regel hat das mit Indien beziehungsweise Bharat nichts zu tun und ist zum Kotzen. Das Essen von Amrit, wo Massenabfertigung angesagt ist, nicht Haut Cuisine, möge man Schweinen servieren, nicht mir. Und die Glasnudeln von Gia Bao Quan habe ich durch meine Gläser Gott sei Dank nicht gesehen, geschweige denn gegessen.

    Aber ein gerade noch mit bloßem Auge zu bemerkendes Buchentarte genanntes Stückchen in einem Schälchen von Bonvivant aus der Golzstraße genoß ich. Daß dieses Restaurant für Gourmands und Gourmets mehr und Besseres zu bieten hat als Krümel vom Herrentisch, das ist wohl wahr.

    5. Gang

    Zum Abschluß erhaschte ich noch eine Praline aus dem Winterfeldt-Schokoladen, in dem weiß Gott Köstlicheres zum Kauf angeboten wird, und eine eher stale als frische Brezel für den letzten Gang, den nach Hause.

    Gute Idee, schlecht umgesetzt

    Daß diese Schöneberger Tafel auf dem Winterfeldtplatz unter dem Titel „Taste The District“ mich mehr an den eingetragenen Verein Berliner Tafel erinnerte als an Gutes, Wahres und Schönes, das ist nicht die Frage, sondern die Kritik. Das eine guten Idee derart verhunzt wurde, das ist schade. Beispielsweise konnte ich kein Essen, das hätte heiß serviert werden sollte, heiß kosten, sondern nur mit Platztemperatur, also lauwarm. Über 30° Celsius ist auch bei Obst und Gemüse zu viel des Guten, auch wenn Kälte eine Aromakiller ist.

    Das Verpfuschen ist typisch für Berlin, wo es an Kleingeistern vom Schlage Möchtegern und Gernegroß nur so wimmelt. Von der Idee dürfte, wenn darüber gesprochen worden sein sollte, von vielen Tafelgäste kaum einer etwas mitbekommen haben, wohl aber vom Konzert, das vor dem Coffee Cult gegeben wurde. Beifall noch nachträglich und an dieser Stelle für die Musiker!

    Wenn das, was am Sonntagabend auf dem Berliner Winterfeldtplatz aus dem Bezirk Schöneberg geboten wurde, das Beste ist, was dieser Bezirk zu bieten hat, dann umfahren Feinschmecker und Besseresser Schöneberg und bitte auch weitere Bezirke dieser im Sumpf und auf Sand gebauten Migrantenmetropole möglichst weiträumig. Genießen Sie das Leben weit weg von Berlin!

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    Vorheriger Artikel„Paris, 1940. In der Bar des Ritz…“ – Annotation zum Roman „Der Barmann des Ritz“ von Philippe Collin