Städtische Landwirtschaft oder Tagträumerei? – Zum Dummdeutsch-Buch „Urban Farming“ von Juliane Ranck und Laura Setzer

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Das Buch "Urban Farmin" im Altpapier. © Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow

Berlin, Deutschland (Gastrosofie). Stadtbauern, immer mehr Stadtbauern, braucht das das Land? Wenn es nach Laura Setzer und Juliane Ranck geht, dann sei Städtische Landwirtschaft das Wahre, Schöne und Gute. Daß der Dummdeutsch-Titel „Urban Farming“ bei einem 200 Seiten umfassenden Buch, das „klimapositiv hergestellt“, „cradle-to-cradle gedruckt“ worden und zudem „plastikfrei unverpackt“ geblieben sowie am 24. Juni 2021 im Löwenzahn-Verlag erschien sei und zwar in der Sprache der Deutschen, sein muß, das ist bei den Autoren, die als Gemüsehelden gelten wollen und sollen, wohl so. Und so ist das schlecht.

Wenn man von Dummdeutsch, Dödelei und Didgeridoo-Dada absieht und auch ideologisches Umdeuten sowie überspannte Streicheleinheiten außer acht lässt, dann ist das Buch ganz gut, hätte allerdings auf weit weniger Seiten gepaßt. Wohl wahr, ein klassisches Lektorat hätte dem Werk gutgetan. Keine Frage, man kann sich nicht nur in ein Wochenbett legen, sondern ein Wochenbuch führen, auch ein Tagebuch und ein Stundenbuch und ein Minutenbuch und so weiter und so fort sowie in permanenter Penetranz 24/7 und das 365 andere auf die Eier gehen. Wer`s mag.

Weil immer mehr Deutsche an Überflüssigem und Zerstreuung Gefallen finden, sich in Nebenwidersprüchen ergehen und den Hauptwiderspruch nicht auf den Begriff bringen, dabei das Wesentliche aus dem Blick verlieren und die Fähigkeit der Konzentration darauf, werden Ranck und Setzer den Zeitgeist treffen wie manche Faust das Auge.

Die Bauern, die ich kenne, würde jeden, der ihnen mit Phrasen wie „Ernährungssouveränität schaffen“ kommt, vom Hof jagen. Mit den Phrasen in „Urban Farming“ schafft man es bestimmt „einmal um die ganze Welt“ (gesungen), jedenfalls dann, wenn man Visionen hat und nicht zum Arzt geht. Daß die Autoren ihr Buch, das sich an olivgrüne Gläubige an den Ausstieg aus dem großen Ganzen zu richten scheint, auch in der ganzen Welt vortanzen könnten, nicht nur ihre Namen, das darf auch angenommen werden.

Dabei ist die Sache, um die es geht, Bevölkerungsexplosionen und seit Jahrzehnten Überbevölkerungen und Umvolkungen in vielen Landen, viel zu ernst. Seriöse Beschäftigung damit wäre nicht netter Zeitvertreib und narzißtische Spielerei, um nicht Spinnerei zu schreiben, sondern das Wahre, Schöne und Gute im herrschenden Falschen.

Bibliographische Angaben

Laura Setzer, Juliane Ranck, Urban Farming, Gemüse anbauen, gemeinschaftlich gärtnern, Ernährungssouveränität schaffen, 200 Seiten, gebunden, Verlag: Löwenzahn, ISBN 978-3-7066-2687-3, Preis: 24,90 EUR (Deutschland)