Weder Gutes von den Galliern noch Wildschwein mit Zaubertrank – Zum angeblich „inoffiziellen“ Asterix-und-Obelix-Kochbuch von Patrick Rosenthal

Das inoffizielle Asterix-und-Obelix-Kochbuch" von Patrick Rosenthal. © Riva

Berlin, Deutschland (Gastrosofie). Wer kennt sie nicht, die Comics von René Goscinny und Albert Uderzo, die den Originaltitel „Astérix“ tragen? Leider wurde die Serie über das gallische Dorf und seine Bewohner, besonders über Asterix, Obelix und Idefix, „der einzige als umweltfreundlich bekannte Hund, der vor Verzweiflung aufheult, wenn man einen Baum fällt“, mit Band 35 durch die von Zeichner Didier Conrad und Texter Jean-Yves Ferri übernommen.

Ja, auch Comic-Kunst ist am Ende immer ein Geschäft, bei dem es vor allem auf den Tauschwert und den Profit ankommt. Heutzutage mischen auch sich „Foodfotografen“ nennende Handwerker im Bereich der Lebensmittelfotografie mit. Hinzu gesellen sich allerlei blöde Blogger. Kein Wunder, dass der erste Satz mit dem Wort „ich“ beginnt.

Mit Journalismus hat das alles schon lange nichts zu tun, umso mehr mit totaler Reklame.

Auch der zweite Satz beginn mit dem Personalpronomen. In den ein Dutzend Sätzen des Vorwortes beginnt der Autor ansonsten oft mit einer Konjunktion (Seite 9). Vier Sätze beginnen mit dem Bindewort „und“. Schon diese Seite schund müsste man dem Autor um die Ohren hauen. Ansonsten ist von Wildschwein bis Zaubertränke alles Lug und Betrug. Heißt es auf der Titelseite des inoffiziellen Asterix-und-Obelix-Kochbuches noch „von gegrilltem Wildschwein bis zum berühmten Zaubertrank“, ist davon im Innenteil nichts zu finden. Erst ist von einem „gekochten Wildschwein in Pfefferminzsauce“ die Rede (Seite 12), dann von einer Wildschweinkeule (ohne Knochen). Beim Bräter geht die Vollverarschung weiter. Auch die „Wildschweinrückensteckas mit karamellisierten Zwiebeln und Gemüse“ (Seite 31) werden nicht gegrillt, sondern erst in der Pfanne „angebraten“, dann sollen sie noch im Ofen „garen“ und zwar „bei 160 ° C Umluft“. Dass das alles weder mit Asterix noch Obelix zu tun hat und mit den Galliern ganz und gar nicht, das ist klar, oder?

Enttäuschung pur auch beim „persönlichen Zaubertrank“ (Seite 104). Himbeeren sollen mit Honig, Buttermilch, Eiswürfeln und Goji-Beeren gemixt werden. Davon abgesehen, dass unter der Bezeichnung Buttermilch hier und heute drei drei qualitativ ziemlich unterschiedliche Produkte verkauft werden dürfen, und Eiswürfel in keinem Astérix-Comic vorkommen, ist der Hinweis auf Goji-Beeren nicht nur ahistorisch, sondern gemeingefährlich. Bei diesen roten Früchten handelt es sich nämlich um Verwandte von Tabak, Bilsenkraut und Tollkirsche und also um Nachtschattengewächse. Die Goji-Beere war ist in China immer noch eine Heilpflanze. Als solche gehört sie in die Apotheke und weder in die Wildschwein-Küche noch in ein krudes Kochbuch, das an Pleiten, Pech und Pannen mehr bietet als an Augenschmaus und Gaumenglück.

Beim Teutates!

Goscinny und Uderzo hätten den Autor wie den Barden an den Baum gebunden.

Bibliographische Angaben

Patrick Rosenthal, Das inoffizielle Asterix-und-Obelix-Kochbuch,
128 Seiten, Gewicht: 484 g, Hardcover, Verlag: Riva, 1. Auflage, München, Februar 2019, ISBN Papier. 978-3-7423-0916-7, ISBN E-Buch (PDF): 978-3-7453-0558-6, ISBN E-Buch (EPUB, Mobil): 978-3-7453-0559-3, Preise (Buch): 14,99 EUR (D)