Ulrichsberger Schnitzel – Ein saftiges Stück Fleisch aus pflanzlichen Zutaten und etwas Ei

Appetitlich goldbraun gebraten, wie das Original-Schnitzel. © 2020, Foto/BU: Fritz Hermann Köser

Berlin, Deutschland (Gastrosofie). Bloßen Dreck in pures Gold zu verwandeln, das hat bisher niemand geschafft. Mal abgesehen von einer gewissen atemlosen Schlagersängerin und ihren Artgenossen. Aber aus pflanzlichen Zutaten ein saftiges Stück Fleisch zu zaubern, gelingt immer mehr und mehr Herstellern. So auch der Neuburger Fleischlos GmbH aus Ulrichsberg in Österreich. Der Firmenname ist Programm. Fleischspezialitäten, ganz ohne Fleisch. Zu der Produktpalette zählt auch das Veggie-Schnitzel.

Wien, das Mekka für diese Spezialität aus feinstem Kalbfleisch, ist vom Firmensitz im idyllischen Mühlviertel nicht allzu weit entfernt, da bietet sich eine Verkostung an. „Hermann“ steht auf der Verpackung, aus recyclingfähigen Rohstoffen hergestellt. Hermann, das sei der neue Grill-Trend, verspricht die Firmen-Homepage. Ob Schnitzel, ob Bratstreifen oder Bratwurst, alles besteht aus folgenden Zutaten: Kräuterseitling, Reis, Hühnerei, Pflanzenöl, Salz, Gewürze. Und sonst nichts, versichert der Hersteller und verspricht „vollendeten Geschmack in biologischer Qualität“. Ohne Zusatzstoffe, Konservierungsmittel oder Aromen.

Bei dem Rezept gibt sich die Firma, anders als etwa ein weltbekannter Getränkehersteller aus Atlanta im US-Bundesstaat Georgia, ebenfalls auskunftsfreudig: Die Kräuterseitlinge werden zerkleinert, anschließend mit Reis, Pflanzenöl und Bio-Hühnerei vermischt, gewürzt und schließlich gedämpft. Alles ganz einfach, beinahe könnte das auch eine geübte Hausfrau hinbekommen. Aber so ist es noch viel einfacher. Man muss nur das Veggie-Schnitzel aus dem Folienbeutel nehmen und in der Pfanne garen, acht bis zehn Minuten lang. Es gibt, wie auch bei dem „echten“ Schnitzel, zwei Zubereitungsarten: Natur oder ganz klassisch, mit einer Panade nach Wahl in heißem Pflanzenöl schwimmend beidseitig goldbraun gebacken. Letztere Variante kommt dem Wiener Original natürlich entscheidend näher, aber auch „unbekleidet“ mundet das fleischlose Schnitzel ganz vorzüglich. Der Kräuterseitling als Hauptzutat entfaltet ein feines, leicht nussiges Aroma, alles wurde zudem gut gewürzt. Die Konsistenz ist angenehm weich, aber immer noch bissfest. Optisch ähnelt das Ganze einem goldbraun gebratenen Stück hellem Fleisch. Sehr appetitlich und eine erfreuliche Alternative zum labberigen Tofu, welches oft so prickelnd wie Staatlich Fachinger schmeckt.

Alles in allem ein gelungenes Produkt, mit dem der Hersteller zudem voll im Trend liegt. Immer mehr Hersteller satteln auf Veggie-Fleisch um oder bieten es zumindest zusätzlich an. Die entsprechende Nachfrage ist da, selbst bei so manchem bekennenden Fleisch-Freak. Schließlich liegt bei vielen Schlacht-Betrieben beim Tierwohl einiges im Argen. Hinzu kommen unsägliche Arbeitsbedingungen und so mancher Fleischskandal, vom Gammel-Döner bis zur Pferde-Lasagne.

Doch das sind nicht die einzigen Probleme. Kürzlich wies der Geschäftsführer der Rügenwälder Mühle im „Morning Briefing“ von Gabor Steingart darauf hin, dass es kaum noch freie Agrarflächen auf der Welt für den Anbau von Futter für die vielen Schlachttiere gebe. Grund genug, sich auf das nächste vegetarische Schnitzel zu freuen. Diesmal mit Panade, Zitrone, sowie Feld- und Kartoffelsalat als Beilage. Ein Ulrichsberger Schnitzel, nach Wiener Art.

Anmerkung:

Siehe auch den Artikel „Herrmann für fleischfreie Tage oder fünf Tage Kräuterseitling sind genug – eine Hand voll fleischloser Produkte von Neuburger in Ulrichsberg“ von von Ole Bolle.