Mercato Saraceno, Savio-Tal, Romagna, Italien (Gastrosofie). Hoch hinaus geht es vom Savio, der dem Tal seinen Namen gab, und also weit hinauf über Mercato Saraceno. Fahren darf man auch und zwar mit dem Rad, Fahrrad und Motorrad, allerdings auch mit einem Automobil. Durch das lange Tal führ allerdings auch eine lange Straße, die E45, also die Europastraße 45, die in beide Richtungen zweispurig ist und die in diesem Tal fast nur auf hohen Brückenpfeilern fußt und immer wieder in Tunneln verschwindet. Auch der Savio, der am Berg Castelvecchio entspringt und 126 Kilometer später und 1 126 Meter tiefer bei Lido di Savio in die Adria mündet, ist von den Bergen selten zu sehen, denn er windet sich auch vor den Blicken der Besucher.

Elisa Baraghini beitet eine Kostprobe. Sie führt nicht nur durch ihre Weinberge, sondern auch durch Weinverkostungen. © Münzenberg Medien, Foto/BU: Stefan Pribnow, Aufnahme: Mercato Saraceno, Romagna, 10.9.2022

Zu sehen sind umso mehr Wälder und Weinberge. Eines, ein kleines und feines, ist das von Elisa Baraghini vom Castello Montesasso oberhalb von Mercato Saraceno, die das Anwesen 2014 von ihrem Vater erbte und beschloß, die jahrhundertealten Traditionen dieser Region durch den Anbau von Weintrauben und die Herstellung von Wein zu bewahren. Sie wandelte das Herrenhaus, das mit seinen Natursteinen hoch über dem Tal beeindruckt, in einen Agriturismo. Urlaub auf dem Boutique-Bauernhof ist dort sei 2015 drin. Nicht nur die Weine, die dort angeboten werden, sind handhergestellt, sondern auch manche Speisen. Um die Hege und Pflege ihrer Weinberge, die beim Boden beginnt, kümmert sich Elisa selbst, auch um die Traubengesundheit und Rebenpflege, drunter die Beschneidung im zweiseitigen Ausläufersystem. Auch bei der Ernte, die jetzt beginnt, ist sie bei der Handlese mit Selektion der Trauben dabei.

Die Trauben wachsen im Weinberg des Weingutes Castello Montesasso im Savio-Tal, vor allem Sangiovese, Famoso und Riesling. © Münzenberg Medien, Foto/BU: Stefan Pribnow, Aufnahme: Mercato Saraceno, Romagna, 10.9.2022

Sie hat sich übrigens für Sangiovese, Famoso und Riesling entschieden und den Agronomen Dott. Remigio Bordini. Der gilt in der Gegend und weit über die Romagna hinaus als Experte für die Rebsorte Sangiovese, die als eine der ältesten Rebsorten auf der Apenninhalbinsel gilt und ihren Ursprung im lateinischen Ausdruck sanguis Jovis zu haben scheint. Ob im Glas das Blut des Jove (Jupiter) ist oder doch nur das eines gleichnamigen Berges in der Region Emilia-Romagna, darüber mag man bei einer Weinverkostung grübeln.

Dieser Sangiovese-Klon mit der Bezeichnung RBL 1 wird unter dem Castello Montesasso übrigens auf Qualität getrimmt, um das Terroir auszudrücken. Dessen Trauben sind klein und die Schalen dick. Mehltau scheint an ihm abzuprallen, aber die Aromen stechen umso größer hervor wie auch die Zuckerkonzentration.

Alles ist für eine kleine Degustation vorbereitet. © Castello Montesasso, BU: Stefan Pribnow

Damit das alles schön ausschaut, durfte und mundet, kümmert sich Francesco Bordini um alle erforderlichen Arbeiten bei der Weinbereitung. Er sorgt sich auch um den Famoso und Riesling. Der Famose ist eine Weiße einheimische Rebsorte, die ausschließlich in der Emilia Romagna angebaut wird, während der Riesling weltbekannt ist. Während der Sangiovese auf über 2 Hektar angebaut wird, wächst der Famoso auf knapp einem Hektar. Erstmals solle der Famoso und also der Berühmte 1437 in Dokumenten erwähnt worden sein. Angebaut worden sei er auf den Hügeln von Cesena in der Romagna, erläutert Elisa und teilt mit, daß der “Berühmte” in den 1990er Jahren in einem Weinberg neben der alten Kirche des Dorfes Montesasso in der Provinz Cesena wiederentdeckt worden sei. Mitarbeiter der Universität Bologna sollen ihn sofort untersuchten und identifiziert haben. Nun gedeiht er auch über Mercato Saraceno im Savio-Tal. Zum Riesling mit seiner Süße und Säure nur der Hinweis, daß er seit den 1970er Jahren in Italien eine kleine Renaissance erfährt und von Elisa Baraghini eine Reminszenz an ihre Jahre in Deutschland.

Ein schönes und im langen Sommer schattiges Plätzchen bietet die Terrasse des Castello Montesasso. © Castello Montesasso, BU: Stefan Pribnow

Auch darüber weiß die Winzerin bei der Degustation zu erzählen. Die finden entweder in einem liebevoll hergerichteten Sandsteinkeller mit alten Holzbalken und Dielen als Decke statt oder draußen auf einer von der Sonne verwöhnten Veranda mit Sonnenschirmen, von wo aus Besucher beste Blicke über das Savio-Tal genießen können und auf Weine.

Der Preludyo Brut Rosè ist ein prickelnder Rosé Brut mit äußerst angenehmer Säure. Schon sein apartes Altrasa entzückt das Auge und seine feine und langanhaltende Perlage läßt die gute Laune schäumen. Fisch aus Savio samt Adria sowie Krustentiere möchte man dazu speisen. Perlhühner hüpfen mir in den Sinn. Hühnerfrikasse, aber bitte im Blätterteig, mit viel weißem Spargel möchten dazu ebenfalls munden.

Weiter geht die Weinprobe mit einem Fantasya genannten Wen, der auch ein hundertprozentiger Sangiovese ist. Heiterkeit macht sich breit

Der Rapsodya, 13,5 Prozent, ein echter Romagna DOC Sangiovese Superiore, ist durch die Sansteinböden und das vorpenninische Klima gekennzeichnet, gefällt durch sein Rubinrot, seine Fruchtigkeit in der Nase – Kirschen, die im Munde zergehen, mag mancher meinen – und Noten von dunklen Gewürzen. Am Gaumen offenbaren sich Aufgeweckten reife Tannine. Toll! Das alles und noch viel mehr im

Castello Montesasso

Adresse: Villaggio Montesasso 17, 47025 Mercato Saraceno FC, Italien

Kontakt: Telefon: +393479821320, E-Brief: info@castellomontesasso.it

Heimatseite im Weltnetz: castellomontesasso.it

Vorheriger ArtikelRezept: Gilik Köfte (Frikadellen mit Bulgur)
Nächster ArtikelRezept: Lahana Sarmasi (Eingerollte Kohlblätter)