Von Hunden und Enten – Das „Palazzo“ bittet zu seiner aufregenden Dinner Show in Berlin

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Palazzo 2019 in Berlin. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser

Berlin, Deutschland (Gastrosofie). Wer hinten sitzt, hat trotzdem Pech. Gnadenlos bezieht der Moderator die Gäste ein, auch wenn die sich auf der sicheren Seite wähnen, hinreichend entfernt von der Bühne. Es nützt nichts. Karl-Heinz Helmschrot eilt durch die schmalen Gänge zwischen den Tischen. Wer ist das nächste Opfer für seinen flapsigen Small Talk? Was, Sie kommen aus Nürnberg? Dann tun Sie mir leid. Das Nachtleben dort ist eben für seine Übersichtlichkeit bekannt. Schon daher hat sich die Anreise zum Palazzo-Spiegelpalast nahe dem Berliner Zoo schon gelohnt.

Palazzo 2019 in Berlin. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser

Zum Trost für das triste Dasein in der fränkischen Provinz kommt sogleich die Vorspeise. Kabeljauschnitte „Croque Palazzo“ mit Sauce Rouille, knusprigem Kapernbrot und Grapefruit. Leicht und gleichzeitig pikant. Noch pikanter der Zwischengang, ein aufgeschäumtes Süppchen von Gorgonzola und Kohlrabi mit gebackenem Ziegenkäse. Nicht nur für Freunde etwas strengerer Käsesorten ein Gedicht. In diesem Jahr soll das Vier-Gänge-Menü ganz im Zeichen Frankreichs stehe, hatte Gastgeber Hans-Peter Wodarz verlauten lassen. Und Spitzenkoch Kolja Kleeberg hat erneut wieder ganze Arbeit geleistet.

Palazzo 2019 in Berlin. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser

Selbiges tun auch die Artisten. „Family Affairs“, so der Name des diesjährigen Programms, es soll eine Ode an die Familie sein. Ob geliebter Sohn oder nerviger Onkel, alle nehmen an diesem spannungsgeladenen und irrwitzigen Familientreffen teil. Hier finden sie alle zusammen, rebellische Freigeister, kauzige Individuen und schwarze Schafe, verkörpert durch geniale Akrobaten und brillante Künstler. Und mittendrin Karl-Heinz Helmschrot. Der Moderator kennt jedes Familiengeheimnis und bleibt mit seinem gewitzten Improvisationstalent niemandem eine Antwort schuldig.

Palazzo 2019 in Berlin. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser

Heiß geht es bei einer solchen Feier her, und für die entsprechende Temperatur sorgen hier vor allem die Artisten. Etwa Matt und Valentina aus Großbritannien mit ihrem spektakulären Rollschuh-Act. Im Nu packt Matthew Edmonds seine Partnerin Valentina Bor und lässt sie umherwirbeln. Rasante Umdrehungen in nervenzerreißender Geschwindigkeit. Hoffentlich lässt er nicht los.

Palazzo 2019 in Berlin. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser

Nata Galkina aus Russland lässt lieber Ringe durch die Luft fliegen und Reifen auf ihren Füßen balancieren. Zwischendurch schält die Antipoden-Künstlerin mal eben eine Banane. Mit ihren flinken Zehen. Yammel Rodriguez mag es nicht ganz so gesund, sie pafft lieber eine Zigarre. Und zwar hoch oben, an den Strapaten. Mit ihrer sinnlichen und verführerischen Darbietung zieht gebürtige Mexikanerin und Wahl-Londonerin die Zuschauer in ihren Bann.

Palazzo 2019 in Berlin. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser

Der eigentliche Höhepunkt ist aber kein Artist, sondern ein Comedian, aber einer mit Köpfchen. Schauspieler, Regisseur, exzentrischer Komiker, Autor und Lehrer – all das ist Peter Shub, ein wahrer Tausendsassa. Der gebürtige US-Amerikaner verfügt über eine exzellente Beobachtungsgabe, die er in geistreichen und feinsinnigen Humor verpackt. Wo sonst, außer in Deutschland, und da besonders in Berlin, reden die Leute mit ihren Hunden? Wie oft habe ich Dir gesagt, dass du nicht in die Wohnung kacken sollst? Hundertmal? Tausendmal? Wenn der Vierbeiner bloß antworten könnte.

Palazzo 2019 in Berlin. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser

Für die musikalische Untermalung sorgt Unathi Mzekeli. Der gebürtige Südafrikaner begann seine Karriere als professioneller Background-Sänger im Jahr 2002, wirkte er über mehrere Jahre in einem Gospel-Chor mit und arbeitete als Sänger in der Show „Afrika! Afrika!“. Er verfügt über eine gewaltige Stimme und ein ebenso gewaltiges Repertoire. Das reicht von Bob Marley bis zum Kinderlied. Selten hat „Alle meine Entchen“ so gut geklungen. Und selten wurde so schön ein Hauptgang angekündigt. Knusprige „Ente à l‘orange“ mit Orangensauce, Miso-Spitzkohl und Kartoffelgratin. Oft leidet das Fleisch des Vogels unter akuter Austrocknung, hier wurde es perfekt gegart, herrlich saftig und angenehm zart. Nichts für Kalorienzähler auch das Dessert, warmes Holunder-Nougat-Törtchen mit Baiserhaube, pochierter Birne und Schokoladenganache. Eine Kugel Rahmeis ist auch dabei, erfrischend und so fast so säuerlich wie die Person, die bei keiner Familienfeier fehlen darf – die heißgeliebte Schwiegermutter.

Palazzo 2019 in Berlin. © 2019, Foto: Fritz Hermann Köser

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage Dinner Show Palazzo in Berlin von Fritz Hermann Köser.