Unwiderstehliches zwischen Fastfood und Milkshake – Serie: Kulinarisch-kulturelle Streifzüge durch den Westen der USA (Teil 2/2)

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Jamie Oliver hat nicht nur gekocht und darüber geschrieben, er arbeitete auf Farmen und erlebte das Lokalkolorit durch und durch, eine gute Grundlage für profundes Kochen. "Jamies Amerika" von Jamie Oliver. © Dorling Kindersley Verlag

Berlin, Deutschland (Gastrosofie). Auf sehr unterschiedliche Weise nähern sich Autoren und Verlage dem Thema Amerikanische Küche. Wir stellen hier zwei repräsentative Bände im Kontext mit der zugrundeliegenden Kultur der Region vor.

Zu einem echten Route-66-Feeling gehört unbedingt der Besuch eines Diner-Restaurants. Die Erfolgsidee von Walter Scott aus Rhode Island verbreitete sich Ende des 19. Jahrhunderts über das ganze Land. Heute finden wir nur wenige Staaten, die sich dem Diner ´s Erfolgsrezept noch nicht gebeugt haben.

Was bedeutet eigentlich Diner? Da sind sich selbst die US-Bürger nicht einig: Die einen setzen bei einem Diner schlicht nur „24-h-Breakfast“, Frühstück rund um die Uhr, voraus. Andere bestehen darauf, dass es Hausmannskost und eine Jukebox gibt. Dazu gehören  natürlich das entsprechende Edelstahl-Äußere, Neonreklamen und das typische Diner-Mobiliar mit roten Kunstleder-Sitzecken und plastikbeschichteten Tischen.

Wie auch immer: Das Diner ist Kult. Dabei waren seine Anfänge sehr bescheiden: Walter Scott aus Rhode Island kam 1872 als erster auf die Idee, aus einem von Pferden gezogenen Lunchcar („Mittagessenwagen“), oft zu ungewöhnlichen Uhrzeiten, Fabrikarbeitern Essen zu servieren. Die Wagen wurden größer, enthielten schließlich sogar eine eigene Küche und Sitzgelegenheiten. In der Wirtschaftskrise der 30er Jahre tauchten dann die ersten Diners auf, wie wir sie uns vorstellen – ausrangierte Speisewagen der Bahn, die als Restaurants genutzt wurden. Später fabrizierten berühmte Hersteller wie Kullmann, Paramount Diners oder De Raffle die bekannten Edelstahl-Wagen, die zunächst „Luncheonette“ hießen. Das Konzept kam jedenfalls an: Handfeste Hausmannskost zu vernünftigen Preisen. In den 50er Jahren erlebte das Diner seine Blüte: Dort traf sich die amerikanische Jugend bei Milchshakes, Ice Cream Sundaes und Burgern, und aus der Musikbox dudelte Elvis. Einige Diner aus diesen Jahren wurden inzwischen sogar unter Denkmalschutz gestellt und im Diner-Museum in Providence, Rhode Island erfährt man Interessantes über den Werdegang dieser Idee.

Das Diner-Essen ist heute sehr unterschiedlich: Da gibt es bei dem einen Diner fast nur „Fast Food“ wie Burger und Hot Dogs, in einem anderen werden noch täglich „Blue Plate Specials“ mit „homestyle food“ serviert: Meatloaf, Rippchen, Braten, sättigende Suppen und Eintöpfe.

Diner, echt US-amerikanische Rezepte – unwiderstehlich gut

Die amerikanische Autorin Jennifer Joyce wuchs in einer vielköpfigen Familie auf, wo deftige Kost eine große Rolle spielte und ihre Leidenschaft fürs Kochen entfachte. Sie ist auf kulinarische Themen spezialisiert und schreibt für verschiedene englische Gourmet- und Frauenzeitschriften, gibt Kochkurse und tritt regelmäßig in britischen Kochsendungen auf. In ihrem Buch „Diner“ echt US-amerikanische Rezepte – unwiderstehlich gut, verführt sie die Leser zum Nachkochen dieser Kultspeisen, die auch heute noch typisch amerikanisch sind.

Buchtipp: Jennifer Joace, Diner, echt US-amerikanische Rezepte – unwiderstehlich gut, Fotos von Martin Grigdale, aus der Reihe „Genuss im Quadrat“, 64 Seiten mit 41 Farbfotos, Hardcover mit Schutzumschlag, Verlag: Walter Hädecke, ISBN 978-3-7750-0521-0, Preis: 12,95 EUR

JAMIES AMERIKA – Kochen mit Jamie Oliver

Es ist im Oktober 2009 erschienen und kam gleich auf die Bestsellerliste von Focus. „Dieses Buch widme ich dem Mentor meines Mentors – Gennaros Vater Nonno, der auch im reifen Alter von 96 Jahren noch täglich köstliche Gerichte für sich kochte.“ Mit dieser Widmung leitet Jamie Oliver sein neues Kochbuch: Jamies Amerika ein. In diesem Satz sind gleich mehrere Weisheiten enthalten: Die Freude am Zubereiten guter Gerichte könnte sich lebensverlängernd auswirken. Welch eine positive Einstellung, wenn man noch im hohen Alter sich selbst mit einer kreativen Mahlzeit verwöhnen möchte. Meist zieht man alle Register der Kochkunst nur dann, wenn Freunde und Verwandte geladen sind. Dabei hätte man selbst, der Partner oder die nächsten Familienangehörigen auch ein Recht auf  kulinarische Abwechslung. Jamie Oliver machte sich ein Jahr lang auf den Weg durch die Staaten und sammelte  nicht nur amerikanische Rezepte. Viel wichtiger waren ihm die Begegnungen mit den Menschen. Er wollte wissen, wie sie mit der Wirtschaftskrise umgehen, wie sie sich gegen die Vorurteile wehren: Alle Amerikaner leben von Junkfood und Riesenburgern., wie ihre Arbeitswelt die Küche prägt. Er ist immer ganz nah dran am Geschehen. Daraus entstanden ist ein Buch, das nicht nur Rezepte wiedergibt, die nachgekocht werden können. Nein, er schaut über die Kochtöpfe hinaus in die Familien, in ihre Sorgen und Probleme, aber er teilt auch ihre positive Lebenseinstellung, die er überall in den Vereinigten Staaten fand. In einem Soulfood-Restaurant in Savannah, Georgia, fragte er die Gäste, wie sie jetzt zu Hause kochen würde, jetzt, wo das Geld knapper ist. Sie antworteten; „Da hätte sich nichts geändert – wir kochen immer, als sei gerade Rezession“. Gerade in dem Heimatstaat Martin Luther Kings lernte er wie viel Gefühl hinter der legendären Küche der Afroamerikaner steht. Und er lernte, was es bedeutet, ein schwarzer Amerikaner zu sein.

In Wyoming schlüpfte Jamie Oliver nicht nur in Cowboyhose, -hut und –stiefel. Er half auch bei den täglich anfallenden Arbeiten eines Camps mit, wo Rinder das Brandzeichen der Ranch erhielten, kastriert wurden und wo man verloren gegangene Tiere in  Gott verlassenen Landschaften suchte. Er schwärmt: „Nach ein paar Tagen war ich so dreckig wie noch nie in meinem Leben, aber es war mir herzlich egal, die Zeit war schön.“

Die Eindrücke, die ihm dabei widerfuhren, schlagen sich in seinen Rezepten nieder.

Viele Mahlzeiten während eines Cowboy-Lebens werden im Freien auf offenem Feuer zubereitet. Das erdige Raucharoma verleiht den Speisen eine wunderbare Würze. „Am Lagerfeuer zu sitzen  und in die Flammen zu schauen, hat etwas Magisches und wird nie langweilig. Man sagt, die Küche sei das Herzstück des Hauses, doch im Herzen des Herzstücks liegt das Feuer.“

Buchtipp: Jamie Oliver, Jamies Amerika, aus dem Englischen von Helmut Ertl und Susanne Vogel, 360 Seiten, gebunden, über 100 Farbfotografien, Verlag: Dorling Kindersley Verlag GmbH, München, ISBN 978-3-8310-1556-6, Preis: 24,95 EUR 

Im selben Verlag ist zudem ein interessanter Bildband erschienen, der zum Beispiel auch in Nordamerika alternative Reiseziele auflistet und international über 1000 Ziele als Pendant zu den oft überfüllten Sensationsplätzen zeigt. Nicht nur beeindruckende Fotos, sondern auch praktische Informationen und präzise Texte bilden zusammen eine farbenprächtige Darstellung.

Buchtipp: 1000 Traumziele – abseits der bekannten Wege, 336 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, ca. 30 x 25 cm, über 1250 Farbaufnahmen, Verlag: Dorling Kindersley Verlag GmbH, München, ISBN 978-3-8310-1509-2, Preis: 29,95 EUR

Reiseinformationen als Wegbereiter für den kulinarischen Horizont in den West-USA

Reisen in die USA werden von zahlreichen Veranstaltern angeboten. Wer sich einen Mietwagen nimmt, kann leicht selbst Erfahrungen in den unterschiedlichen Restaurants sammeln. Im Wohnmobil mit funktionsfähiger Küche geht es selbst an die Arbeit. Draußen steht die Picknickbank, knistert das Lagerfeuer und die Aussicht auf grandiose Landschaften ist in den West-USA meist unvergesslich. Ein Spezialist für Nordamerika ist zum Beispiel CRD International. Hier können Reisen in die Regionen des Westens gebucht werden, sozusagen zum Probeessen oder Selberkochen. Die Supermärkte haben unbeschreiblich lange Theken mit frischem Gemüse, Salaten, Steaks, Geflügel, frischem Lachs”¦An der Kasse hat man meist mehr Zeit und Lebensart, als in jedem deutschen Discounter. Oft wird sogar angeboten, dass die vom Personal verpackten Waren ans Fahrzeug gebracht werden. Informationen zu USA gibt es unter anderem im MaDeRe – Magazin des Reisens. Die Lufthansa bietet Nonstopflüge z. b. nach San Franzisko, Portland/Oregon, Denver, Los Angeles von mehreren deutschen Flughäfen.

Die richtige Einstimmung auf die Reise bietet der Kunth Verlag in München mit einem seiner hervorragend aufgemachten Bildbände:

Faszination Erde – USA – Der Westen

»Go West« – Abenteuer und Freiheit, einem Mythos nachspüren. Auch ohne Marlboro-Reklame auf Plakatwänden haben die Großlandschaften des amerikanischen Westens nichts von ihrer Faszination verloren. Ob es die Nationalparks in den Rocky Mountains sind, oder Wüsten und Badlands unter weiten Horizonten, man kann sich nicht satt sehen and den archaischen Farben und Formen, die gerade in diesem Band die Reiselust wecken.  Den umfangreichen Bildteil ergänzen neu entwickelte Reisekarten, die über die geografischen Details hinaus ein ausführlich dargestelltes Verkehrsnetz und viele touristische Hinweise bieten. Ein abschließendes Register mit Internetadressen ermöglicht es, Sehenswürdigkeiten und Orte in den Karten aufzufinden und über ausgewählte Webadressen weitere aktuelle Informationen abzurufen.

Faszination Erde – USA – Der Westen, 160 Seiten, Format: ca. 23 x 30 cm, Gebunden, mit Schutzumschlag, Verlag: Kunth, ISBN: 978-3-89944-137-6, Preis von 19,90 EUR (Deutschland)

Anmerkung:

Siehe auch den Artikel „Die Indianer-Küche Nordamerikas – Serie: Kulinarisch-kulturelle Streifzüge durch den Westen der USA (Teil 1/2)“ von Monika Hamberger.