Gute Rezepte und dennoch: Geschichtsklitterung! – Zum Kochbuch „Die Baltische Küche“ von Simon Bajada

0
224
"Die Baltische Küche" von Simon Bajada. © Dorling Kindersley

Berlin, Deutschland (Gastrosofie). Nun, laut Simon Bajada gebe es „Die Baltische Küche“. Bajada, der vom Verlag Dorling Kindersley als Lebensmittel- und Reisefotograf vorgestellt wird, der mit „seiner schwedischen Frau und zwei Kindern in Stockholm“ lebe, möchte es wohl wissen, den er unternahm laut Untertitel „eine kulinarische Reise durch Estland Lettland und Litauen. Oder sollen sich die Leser dieses Buches auf eine solche begeben?

Nun, wenn es nach dem mare balticum, dem Ostsee genannten Baltischen Meer geht, dann dürften es also alle Anwohner sein. Versteht man unter Balten die vom (kleinen und großen) Belt, dann reduzierten sich das auf die – gewitzigt formuliert – Belten. Versteht man hingegen unter Balten die Weißen, was wenig abwegig ist, dann sind es alle außer Slawen, also weder Polen noch Russen. Wohl wahr, die Prußen oder Pruzzen (Preußen), auch Prūsai, waren und sind ein baltischer Volksstamm, sie muss man so oder so dazuzählen, wenn man von Balten spricht. Die Pußen gehören zu den „Weißen“, also zu den nichtslawischen Anrainer der Ostsee. Die Polen wurden das nur, weil sie deutsche Lande dank der Angelsachen und Russen als Beute nehmen und besetzen konnten – und immer noch besetzt halten.

Wie auch immer. Zur Küche der Balten zählen nicht nur Esten, Letten und Litauer, sondern auch Pr(e)ußen. Punkt. Im Grunde genommen zählen auch Pommern östlich der Weichsel noch dazu und Kuren, aber wer weiß das schon!

Der Titel des Buches ist also ein großer Griff ins Klo. Kommen wir jedoch von der Geschichte, von welcher der Autor keine Ahnung zu haben scheint, kurz zur Küche, denn die Stimmung, auch nur noch einen Satz zur Geschichtsfälschung zu schreiben, tendiert Richtung Null.

Der Autor, der ein gelernter Koch sei (das glaubt man gerne, denn seine Fotografien sind nicht vom Feinsten, sondern – gelinde gesagt – Geschmackssache) unterteilt sein 224 Seiten umfassendes Buch, in dem auch Rezepte in Zutaten und Zubereitungen präsentiert werden, in die Kapitel „Milchprodukte“, „Von der Küste“, „Aus dem Garten“, „Vom Bauernhof“, „Backwaren“, „Süßes“ und „Getränke“.

Mit einem vierseitigen Register und einer halbseitigen Danksagung endet das Buch, das mit einer Einleitung und einer Vorstellung der Staaten Estland, Lettland und Litauen beginnt. Um mir nicht den Tag zu versauen, habe ich das nicht gelesen. Königsberg ist und bleibt eine baltische Stadt, sie war Königliche Haupt- und Residenzstadt sowie eine Perle in Preußen, eine deutsche Stadt, die von Russen zerstört wurde und bis heute besetzt wird.

Bibliographische Angaben

Simon Bajada, Die Baltische Küche, Eine kulinarische Reise durch Estland, Lettland und Litauen, 224 Seiten, fester Einband (mit Farbschnitt, Cover mit Prägung), über 100 farbige Fotos, Format: 196 x 266 mm, Verlag: Dorling Kindersley, München, 1. Auflage, Januar 2020, ISBN: 978-3-8310-3952-4, Preis: