Berlin, Deutschland (Gastrosofie). So wie die Geschichte des Spionageromans „Der Mann, der aus der Kälte kam“ von John le Carré nicht unter der sengenden Sonne des Südens spielt, sondern in und um Berlin, so spielt die Geschichte des Rotweins, der aus der Alpilles kam, nicht in der Kälte des Vereinigten Königreiches im Kalten Krieg, sondern von der Kalksteinkette im Südwesten der Provence. Dort liegt das Weingut Domaine du Grand Fontanille im Département Bouches-du-Rhône.
Richtig, die Domaine du Grand Fontanille liegt nicht zu den Rhoneweinen, die aus der Gegend zwischen Vienne und Avignon kommen, sondern zwischen Avignon und Arles. Es sind also nicht die „Hänge der Rhône“ (französisch Côtes du Rhône), sondern die vom Massif des Alpilles (deutsch Alpillen genannt). Die Alpilles wurden übrigens am 1.2.2007 zum Regionalen Naturpark Alpilles erklärt und also unter Schutz gestellt. 14 Gemeinden grenzen an die Alpilles, eines davon ist Saint-Étienne-du-Grès mit der Kapelle Notre-Dame du Château, der Pfarrkirche St. Ètienne, Resten eines römischen Castrums, einer Stierkampfarena, Statue von Saint-Éloi, dem Haus Gran Mas und dem Weingut Domaine du Grand Fontanille.
Die Domaine du Grand Fontanille, eine Bastide aus dem 17. Jahrhundert mit einem Wurferker über dem Eingangsportam liegt nicht im Ort, sondern im Grünen. 60 Hektar Natur pur und 4,5 Hektar davon nachhaltiger Weinbau am Nordhang des Naturparks Alpilles. Die 4,5 Hektar bestehen aus „sieben verschiedenen Böden mit sieben unterschiedlichen Wetterbedingungen“, heißt es auf der Heimatseite der Domain du Grand Fontanille, und auch, daß alle Weine „biologisch ausgebaut werden“ würden. Das trifft auch auf den Rotwein Le Carré zu, über den geschrieben steht, daß er „ein kraftvoller und reiner Syrah“ sei, „der ohne Cuvéetierung mit anderen Rebsorten die unergleichliche Reinheit der Sorte voll zur Geltung bringt und mit der Médaille d’Or Gold Paris 2024 ausgezeichnet wurde“.
Wärme statt Kälte über der Kalksteinkette. John le Carré, der 1931 in Poole in Dorset als David John Moore Cornwell geboren wurde und als solcher 2020 in Truro, Cornwall, starb, hätte der Wein wohl gefallen. Vielleicht hätte er die typische Aromen eines Syrah wahrgenommen, also Brombeere, Schwazre Johannisbeere, Pflaume und Blaubeere, möglicherweise Würze und Kräuter vom Schwarzer Pfeffer über Lakritz beziehungsweise Anis bis hin zu den Kräutern der Provence. Florale Noten wie Veilchen und Flieder wären ihm wohl nicht aufgefallen, dafür vielleicht erdigen und rauchige Aromen (vom Schinken bis zum Schwarzen Tee). Auf Rudi Carrells laufendem Band sehe ich dunkle Früchte beziehungsweise Beeren, Kräuter, ja, schwarzer Pfeffer, und nach Nuancen von Schokolade und Rauch eine Fragezeichen.
Die Säure dieses Syrah ist sanft und fein ausbalanciert, die Tannine sind samtig. Der Wein hat wie der Autor anhaltende Eleganz und Tiefe. Tiefrot ist seine Farbe und so paßt dieser Syrah zu rotem Fleisch, daß auch nach dem Garen dunkel bleibt und richtige Röstaromen bietet. Wie wäre es mit Wild, das aus der Kälte kam?
Le Carré en detail
Rebsorte
- 100 % Syrah
Analysedaten
- Alkoholgehalt 15,00 % vol
- Restzucker 1,26 g/l
- Säure 3,27 g/l
Inhalt
- 0,75 Liter
Anbaugebiet
- Alpilles im Département Bouches-du-Rhône
Preis
- Derzeit wird ein Preis von 32 EUR für eine Flasche Le Carré aufgerufen (42,62 EUR / Liter).
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