Kreative italienische und traditionelle lukanische Küche – Das Restaurant Al Contadino Sotto le Stelle in Berlin

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Der "Weinkeller" unter blauen Himmelslicht und hinter Glas im Al Contadino Sotto le Stelle. © 2018, Foto: Fritz Hermann Köser

Berlin, Deutschland (Gastrosofie). „Cristo si è fermato a Eboli“ (Deutsch: Christus kam nur bis Eboli“), meinte Carlo Levi in seinem gleichnamigen Buch, das 1978 von Francesco Rosi verfilmt wurde, weswegen Betrachter bewegter Bilder, die nicht mehr in Bücher blicken, mit Eboli etwas anfangen können und wissen sollten, dass der Autor sich an seiner politischen Verbannung in der Basilikata abarbeitet. Er schrieb vom
vom Elend der Bauern bis zur lächerlichen Gestalt des faschistischen Bürgermeisters. Als Levi 1975 in Rom starb, wurde er seinem ausdrücklichen testamentarischen Wunsch gemäß auf dem Friedhof von Aliano bestattet. In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde Aliano, das im Buch aus Gründen des Diskretion Gagliano heißt, zum Parco Letterario Carlo Levi (Deutsch: Literaturpark Carlo Levi) ausgerufen und sein Buch in der Schule im Ort Pflichtlektüre.

Jacobsmuscheln im weißem Sepckmantel gegrillt. Köstlich! © 2018, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Aus diesem armen Land Lukanien stammt Mimmo Bianco, einer der Inhaber des Berliner Restaurants Al Contadino Sotto Le Stelle, von dem es auf der Heimatseite Al Contadino heißt: „Alles begann bei einem familiären Mittagessen, bei dem wir mit unseren Müttern und Freunden aus der Region Luciana, Basilicata zusammensaßen. Ich, Sohn zweier Feinschmecker, und meine Schwiegereltern, deren Eltern alle Landwirte sind, trafen uns nach unserem ersten kulinarischen Erlebnis in Berlin, das wir im Restaurant ‚A Muntagnola‘ hatten, denn dort stellten wir die italienische Küche in Deutschland auf die Probe.

Während des Essens hielten wir lebhafte Konversationen über das Thema Essen und erinnerten uns vor allem an die kulinarischen Erlebnisse, die wir im Laufe der Jahre mit der italienischen Küche gemacht hatten.

Fusilli al pomodoro mit prächtigen Piennolo-Tomate. © 2018, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Unsere Erinnerungen waren voll von Aromen, wir dachten an den Geschmack einer reifen Tomate, an das Schmalz, das einen ganzen Winter lang in der Küche reift, damit man es später auf einer getoasteten Scheibe Brot essen kann oder an die hausgemachten Würste, zubereitet nach einer traditionellen Technik, die sich ‘a coltello’ nennt und nach der man die Würstchen zusammen mit Schmalz (’sugna‘) in Tongläschen konserviert, um sie vor Lichteinfluss zu schützen. Es kamen noch weitere Erinnerungen in uns auf, wie etwa der Gedanke an jene Fleischsauce, die man in den frühen Morgenstunden zubereitet und bis zur Mittagszeit auf dem Herd köcheln lässt, um sie danach mit selbstgemachter Pasta zu servieren. Auch kamen uns jene Schleckermäuler in den Sinn, die sich um den Saucentopf herum sammeln, um gegen 11 Uhr mittags Brot mit Sauce als kleine Zwischenmahlzeit zu genießen.

Ravioli di cernia al pesto di pistacchi. Ravioli gefüllt mit Zackenbarsch und Pistazien-Pesto. © 2018, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Und so beschlossen wir bei diesem sonntägigen Mittagessen, dass wir ein Restaurant eröffnen wollten. Denn wir wollten all die Geschmacksrichtungen und kulinarischen Momente anbieten, an die man sich sein Leben lang erinnert. Das tun wir nun schon seit 1997 und sind dabei stets auf der Suche nach Lebensmitteln, die den Erhalt der Tradition, die unsere Familien an uns weitergeben hat und deren Wächter nun wir sind, am besten gewährleisten.“

Sie und andere wachen in der Küche über die gastronomischen Kernelemente ihres Landes mit den Grundprodukten Ölivenöl und Tomaten, Käse- und Wurstwaren, bieten allerdings auch allerlei Saisonales aus anderen italienischen Regionen an. Die Basilikata ist bekannt für allerlei alte Getreidsorten, aus denen eine Pasta hergestellt wird, die auf der ganzen Welt berühmt ist, aber auch wunderbare Weine werden dort hergestellt. Dass die lukanische Küche eine einfache ist, aber unverfälschte Aromen böte, das berichtet Mimmo Bianco uns Gastrosofen und lässt tolle Speisen und wunderbare Weine auftischen.

Kirchererbsen-Maronensuppe. © 2018, Foto: Fritz Hermann Köser, BU: Stefan Pribnow

Vorweg eine Zuppa di Ceci e Castagne, eine Kichererbsen-Maronensuppe. Eine Wonne ist auch das Caponata di Melanzane genannte Gericht, das aus geschmorten Auberginen in süßsaurer Tomatensauce mit Rosinen, Pinienkernen, Sellerie und gerösteten Mandeln besteht. Für alle, die Käse kosten möchten, empfehlen wir ein Artischocken-Carpaccio mit einer Zitrusfrüchte-Vinaigrette und weichem Ziegenkäse.

Dann folgen hausgemachte Nudeln. Wer die Wahl hat, der probiere sie alle. Vor allem die richtig guten Ravioli gefüllt mit Zackenbarsch auf Pistazienpesto oder Fettucelle aus bitterem Kakao serviert mit Wildschweinragout oder, oder, oder. Und Hauptgänge!

© 2018, Photo: Fritz Hermann Köser

Wie wäre es mit einer Kalbshaxe, die ein Dutzend Stunden auf niedriger Temperatur gegart wurde und mit Safran Risotto serviert wird?

Wer noch kann, der wähle zum Dessert eine gemischte Platte aus. Dessert misto della casa. Bei den Weinen bitte den Hausherren wählen lassen, der kennt seinen Keller am besten. Der befindet sich wie das Restaurant im Erdgeschosse und ist teils vom Boden bis zur Decke verglast, gewährt also beste Blicke auf gute Weine.

Al Contadino Sotto le Stelle

Auguststraße 36, 10119 Berlin

Kontakt: Telefon: 0049 (0)30 2819023, E-Mail: info@alcontadino.eu

Web: www.alcontadino.eu/ristorante

Öffnungszeiten: montags bis samstags ab 18 Uhr, sonntags geschlossen