Dort, wo das Holz ausbleicht und die Besucher bräunen – Auf Kaffee und Kuchen in der Marienhöhe auf Norderney

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Die Marienhöhe auf Norderney.
Ein Blick von der Marienhöhe über Düne und Strand auf das Mare Germanicum vor Norderney. © Brune & Company Marienhöhe, Foto: Carsten Heidmann

Norderney, Deutschland (Gastrosofie). Die meisten Besucher und Bewohner der Insel Norderney im Mare Germanicum kennen die Marienhöhe vom Sehen her, einige vom Hören und Sachen und manche waren im Laufe ihres Lebens sogar da. Sie steht dort, wo die Nordseewellen an den Strand trecken. Hoch oben auf einer Düne, genauer gesagt: auf der Hohen Düne.

Die Marienhöhe auf Norderney.
Ein Blick auf die Marienhöhe auf Norderney. © Brune & Company Marienhöhe, Foto: Carsten Heidmann

Auf Norderney soll schon Heinrich Heine gesessen, getrunken, gegessen und geschrieben haben. Mehr geht nicht. Während seiner Aufenthalte auf Nordseeinsel in den Jahren von 1825 bis 1827 soll er dort seinen „Nordsee-Zyklus“ geschrieben haben. In einer Pressemitteilung der Marienhöhe vom September 2017 wird Heine mit folgenden Worten zitiert: „Die See war mein einziger Umgang und ich habe nie einen besseren gehabt.“

Damit dürfte über die Insulaner zu seiner Zeit alles gesagt sein. „Einige Jahre später dann“, heißt es in der Pressemitteilung weiter, „als das Hannoversche Königshaus die Insel für sich entdeckte und die Damen und Herren dort noch getrennt in vollem Badeornat in die Fluten stiegen, war es Königin Marie von Hannover, die von hier oben ihrem Lieblingsdichter mit Kaffeestunden, Picknicks sowie Musik- und Literaturfesten gedachte. Die Norderneyer selbst waren da etwas pragmatischer: Für sie war es einfach der perfekte Ort, um Ausschau nach ihren Booten zu halten.“

Die Marienhöhe auf Norderney.
Ein Blick in die noch menschenleere Marienhöhe auf Norderney. © Brune & Company Marienhöhe, Foto: Carsten Heidmann

Dafür ließen Königin Marie, die als Prinzessin von Sachsen-Altenburg geboren wurde, und ihr Ehemann König Georg der V. einen Pavillion errichten. Der König von Großbritannien und König von Hannover hat diesen jedoch nie gesehen. Der Welfe erblindete bereits vor seiner Hochzeit mit Marie.

Hier und heute blicken Reisende nicht in Bücher von Heine, sie halten Ausschau nach Booten und Schiffen, kunterbunt und beige gekleideten Kurgästen der Marke Greige mit ihren Enkeln und Mode-Hunden sowie Müttern und solche, die es werden wollen, die allerdings nicht an der Leine laufen allerdings zum Teil bezeichnenderweise auf dem Damenpfad hinter der hohen Düne. Fürs Sehen (und Gesehenwerden) ist das denkmalgeschützte Gebäude mit fast 170-jähriger Geschichte nach wie vor ein passender Ausguck. Der auf Tisch und Teller ist nicht weniger schlecht.

Wir speisten leckeren Käse- und Apfelkuchen, angeboten werden allerdings allerlei Kuchen vom Blech, Obststreusel, und Torten wie eine Stachelbeer-Baiser-Torte. Die täglich wechselnde  Auswahl an Torten und Kuchen stammt von Patissière Marena Meinken. Dazu passen Stino-Kaffee und Kaffeespezialitäten, aber auch ein Kännchen Ostfriesentee. Leider wird auch zur Kaffee-Tee-und-Kuchenzeit, die großzügig von 13 Uhr bis 17 Uhr bemessen wird, anderes angeboten. Die Marienhöhe ist gleichzeitig ein Restaurant mit warmer Küche mit edlen Spirituosen und ausgesuchten Weinen von 12 Uhr bis 21 Uhr.

Die Marienhöhe auf Norderney.
Kaffee und Kuchen in der Marienhöhe auf Norderney. © Brune & Company Marienhöhe, Foto: Carsten Heidmann

Dass der Pavillion immer mal wieder repariert und saniert werden musste, das ist klar. Er wurde auch einmal abgerissen und neu aufgebaut – und zwar unter  Konditormeister Ernst Radtke. Ob die letzte Restaurierung respektvoll war und der Gesamteindruck des Traditionsgebäudes mit angeblich „70 Innen- und noch einmal 75 Außenplätzen“ toll ist, darüber lässt sich streiten. Der neue Eigentümer Brune & Company mit Sitz in Bremen nennt das „Tradition trifft Moderne“. Allerdings trifft sich dort vor allem die Bourgeoisie und solche aus dem Kleinbürgertum, die – wie mir scheint – gerne dazugehören würden.

Immerhin glänzt die Bretterbude, die auch aus Stein besteht, von weitem in Weiß. Auf dem Achteck thront ein grünes Dach aus Kupfer, scheinbar getragen von ein paar weißen Säulen, die zum Schwarz, Dunkelbraun bis Hellbraun sowie Grau bis Taubenblaugrau und Weiß der Wände und Fenster passen. Der Innenraum wirkt wie vom Designer durchgeleckt. Irgendwo im eng bestuhlt Besucherbereich, Bad und WC im Keller sind noch schmaler, steh ein Ohrensessel. Er darf benutzt werden, klar, aber er dient als Zierde wie nostalgisch wirkende Lampen, weswegen wir Gastrosofen gerne draußen auf der seeseitigen Terrasse saßen, dort, wo das Holz ausbleicht und die Besucher bräunen.

Mein Heine würde angesichts dieser Gesellschaft hoffen, dass die See sein einziger Umgang sei.

Die Anlehnung der Marienhöhe an Heinrich Heine ist gewollt und nicht gekonnt. Kaffee und Kuchen gelingen viel besser. Die Kellnerinnen wirken adrett und unbedarft. Sie geben sich nett. Immerhin. Wir geben Trinkgeld.

Marienhöhe Norderney

Damenpfad 42a, 26548 Norderney

Kontakt: Telefon +49 4932 9350153, E-Mail: info@marienhoehe-norderney.de

Mehr Infoswww.marienhoehe-norderney.de

Kaffeezeit: von 13 Uhr bis 17 Uhr

Öffnungszeitenmittwochs bis montags von 10 Uhr bis 22:30 Uhr