Bier in braunen Flaschen und mit Mohrenköpfen auf dem Etikett? – Na dann Prost Mahlzeit Maure mit Birra Ichnusa!

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Birra Ichnusa, Bionda Sardegna dal 1912. Quelle: www.sinistrasindacale.it

Berlin, Deutschland (Gastrosofie). Bier in braunen Flaschen und mit Mohrenköpfen auf dem Etikett. Wenn das nicht bei manchen Leuten in mehreren Ländern politisch unkorrekt ist, was dann? Die vier Mohrenköpfe prangen auf der ansonsten rot-weißen sardischen Flagge. Richtig, das Bier wird auf Sardinien gebraut, doch die sardische Brauerei Birra Ichnusa mit Sitz in Assemini ist längst in der herrschaftlichen Hand von Heineken. Auf deren grünen Flaschen prangt eine roter Stern. Und das ist auch noch so gemeint wie`s aussieht.

Birra Ichnusa wurde 1912 in Cagliari, der Hauptstadt der heute angebliche autonomen Region des italienischen Staates. 1967 wurde die Brauerei schließlich nach Assemini verlegt. „1981 braute man“, so steht es in Wikipedia, „bereits mehr als 400.000 hl Bier.“ Groß und gut genug, um 1986 vom Konzern Heineken N.V. geschluckt zu werden.

Ähnlich ist es mit den Mohrenköpfen auf der sardischen Flagge. Die Geschichten, die sich darum ranken, muss man auch schlucken. Es sind Geschichte von Schlachten gegen dunkle Muselmanen. Mit mauros (griechisch dunkel) sind Mauren gemeint, also Berber verschiedenster Stämme, die von imperialistischen Arabern von der arabischen Halbinsel besiegt, muselmanisiert und gegen die mehr oder weniger christlichen Einwohner Europas gehetzt wurden. Darauf ein Birra der Brauerei, dessen Name ebenfalls aus dem Griechischen kommt: Ichnôussa ist die griechische Bezeichnung für Sardinien.

Auf den braunen Flaschen, die in jedem Supermarkt zu finden sind, ist nicht nur die sardische Flagge zu sehen und der Name Ichnusa zu lesen, sondern auch der Hinweis „Bionda Sardegna dal 1912“. In den Flaschen ist Lagerbier, das aus Wasser, Hopfen, Gerste, Mais und Hefe gebraut wird.

Darauf sind Sarden ganz offensichtlich stolz und scheinen mehrheitlich lieber Bier als Wein zu trinken. Die Eroberung der heimischen Marke durch Heineken wird hingegen gern verschwiegen. Nicht nur das, die Marke des Konzerns wird mehr denn je boykottiert. Das fällt den Sarden längst leichter, denn in den vergangen Jahren wurden auf der sonnigen Mittelmeerinsel kleine coole Brauereien gegründet, deren Betreiber auf den Craft-Beer-Zug aufgesprungen sind und sich lokal behaupten.

Wir wollen die Brauer und ihr Bier gerne vorstellen. Demnächst mehr über den Widerstand und die Ware sardischen Brauer gegen große Weltkonzern im Magazin GASTROSOFIE.