Lammschulter, ganz wesentlich – Ursprüngliche griechische Küche in der „Taverna Ousia“ in Berlin-Schöneberg

Das zarte Fleisch löst sich schnell vom Knochen bei der Lammschulter. © 2020, Foto/BU: Fritz Hermann Köser

Berlin, Deutschland (Gastrosofie). Was denn nun? Ursprung? Substanz? Das Wesentliche? Bei der Übersetzung des Namens „Ousia“ kann man leicht ins Grübeln kommen. Und die Mitarbeiter der gleichnamigen Taverne in Berlin-Schöneberg haben für langwierige Erklärungen keine Zeit, dazu brummt das Lokal zu sehr. Auch an diesem Mittwochabend. Egal, dann eben zur Einstimmung einen Ouzo, klingt ja immerhin so ähnlich.

Der Ouzo soll es bis China geschafft haben. © 2020, Foto/BU: Fritz Hermann Köser

Nicht irgendein Ouzo. Hinter der milchig-trüben Flüssigkeit im großzügig eingeschenkten Glas steckt der bekannte Ouzo aus Plomari, laut den Experten von „Ouzopedia.de“ angeblich der Beliebteste in ganz Griechenland. Zu verdanken ist dies vor allem einem gewissen Isidoros Arvanitis, der Name ist ebenfalls auf dem Glas vermerkt. Vor über 100 Jahren gelang ihm dank ausgewählter Zutaten ein wahrer Zaubertrank. Unter anderem mit Anis aus Lisvori auf der Insel Lesbos, der zum besten Anis überhaupt zählen soll, Fenchel aus dem Norden von Euböa sowie Sternanis, Zimt, Muskatnuss und Mastixextrakt aus Chios. Das weiche Wasser aus den Quellen des Sedountas, einem Fluss in Lesbos, vollendet dann den Exportschlager, der inzwischen sogar in China gerne getrunken werden soll.

Pikant und frisch: Salat, Zatziki und Fawa. © 2020, Foto/BU: Fritz Hermann Köser

Kaum ist das Glas geleert, kommen schon die ersten Vorspeisen. „Humus griechische Art“, wie ein Mitarbeiter erklärt. Die obligatorische Zaziki mit Gurkenstreifen, Knoblauch und Dill darf nicht fehlen. Und schon gar nicht „Choriatiki“, der original griechische Bauernsalat mit reichlich Tomaten, Gurken und Schafskäse. Alles köstlich-pikant. Herrlich mild dagegen die gekochten gelben Linsen mit Frühlingszwiebeln, Zitrone, Petersilie und Olivenöl. „Fawa“ nennt sich dieses einfache Gericht, das auch Veganer erfreuen dürfte. ein rundum gelungener Auftakt.

Hausgemachte Blätterteigtaschen mit Käse und Spinat. © 2020, Foto/BU: Fritz Hermann Köser

Eher mild kommt die nächste Runde Mezzedes daher, zwei davon wahre Zungenbrecher, aber auch ein wahrer Gaumenschmaus. „Spanakotiripitakia“ und „Kolokithokeftedes“, jeweils begleitet von Zaziki. Ersteres hausgemachte Blätterteigtaschen, gefüllt mit Käse und Spinat. Letzteres gebratene Zucchini-Käsebällchen. Erfreulich bei beiden, dass das feine Aroma des Gemüses von dem Käse nicht übertüncht wird. Gegrillt, und ebenfalls tadellos, die Haloumischeiben auf Tomatenscheiben mit frischer Minze und Olivenöl. Nur viel leichter auszusprechen, auf der Speisekarte erscheinen sie einfach als „Haloumi“.

Meeresfrüchte, gekonnt zubereitet: Gegrillte Calamares. © 2020, Foto/BU: Fritz Hermann Köser

Dass die Köche der Taverne auch Meeresfrüchte gekonnt zubereiten können, zeigt sich bei den nächsten Gängen. Schwarze kleine Augen blicken die Gäste an. Sie gehören zu den „Garidis Tilichtes“, gebratene Garnelen mit Knoblauch-Kräuterfüllung, in der Mitte umhüllt mit einem Mantel von Blätterteig. So gelungen wie „Kalamarakia Sharas“, gegrillte Calamares mit Olivenöl-Zitronen-Dressing. Gegrillt, und ebenfalls tadellos, auch die Haloumischeiben auf Tomatenscheiben mit frischer Minze und Olivenöl. Dass es jenseits von Gros und Souvlaki erst richtig authentisch wird, beweisen die Fleischgänge. „Spalla“ nennt sich die in Rotwein gekochte Lammschulter mit Thymian-Rotweinsoße. Vom Lamm stammt auch „Paidakia“, kleine Koteletts. Das Fleisch erweist sich in beiden Fällen als äußerst zart und ganz ohne jeglichen strengen Beigeschmack. Wer sich mit Lamm dennoch schwer tut, ist mit den gegrillten Hackfleischbällchen, „Keftedakia Sharas“ bestens gedient. Mit der Beilage, leicht frittierte Kartoffelscheiben mit geriebenen Käse, dürften alle zufrieden sein.

Klein aber fein, die Lammkoteletts. © 2020, Foto/BU: Fritz Hermann Köser

Da bleibt kaum Platz für das Dessert. Galaktompoureko, mit Vanillecreme gefüllter Blätterteig, begleitet von Vanille-Eis, sowie Loukoumades, griechische Pfannkuchenbällchen mit Honig und Zimt. Gerade von den kleinen frittierten Bällchen darf es ruhig etwas mehr sein. Sie sind nicht zu süß, ertrinken nicht im Honig, und das Zimt-Aroma kommt voll zur Geltung.

Der krönende Abschluss: Blätterteig mit Vanillecreme und Vanilleeis, Pfannkuchenbällchen mit Vanilleeis und Zimt. © 2020, Foto/BU: Fritz Hermann Köser

Mit ihren Gerichten möchten die Betreiber des Lokals an alte Zeiten anknüpfen, und der aus ihrer Sicht nahezu verschwundenen Mezzedes-Kultur zu einem kleinen Comeback verhelfen. Die vielen kleinen Vorspeisen dienten vor allem als Begleitung für den Wein oder den Ouzo, zu dem sich die Leute zu Großvaters Zeiten besonders in den Tavernen auf dem Land trafen. Alles authentisch, eben ursprünglich, substanziell. Oder wesentlich.

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: Ursprüngliche griechische Küche in der „Taverna Ousia“ in Berlin-Schöneberg von Fritz Hermann Köser.

Taverna Ousia

Adresse: Grunewaldstraße 54, 10825 Berlin, Deutschland

Kontakt: Telefon: 0049 (0)30 2167957

Heimatseite im Weltnetz: http://www.taverna-ousia.de/

Öffnungszeiten: Täglich ab 17 Uhr, dienstags Ruhetag.

Kleiderordnung: Gekonnt griechisch oder wie immer