Der Gipfel der Genüsse – Authentische nepalesische Küche im „Holy Everest“ in Berlin

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© 2019, Foto: Fritz Hermann Köser

Berlin, Deutschland (Gastrosofie). Hier kocht der Sherpa persönlich. Und zugleich der Trekking Guide. Vor kurzem brachte Rajesh Lama noch Touristen samt ihrem Gepäck auf den Gipfel des Mount Everest, geschlagene 20 Jahre lang. Eine Besucherin fiel ihm besonders auf, sie stammte aus Deutschland. Und so verschlug es ihn dann 2013 vom Dach der Welt ins flache Berlin, zum Glück in einen Stadtteil, der wenigstens dem Namen nach ein wenig das Heimweh nach seiner Heimat Nepal, nach den gewaltigen Gipfeln, lindern konnte: der Prenzlauer Berg. Hier hat er im August dieses Jahres sein Restaurant eröffnet. Im „Holy Everest“ steht er mit zwei Landsleuten am Herd.

© 2019, Foto: Fritz Hermann Köser

Authentische nepalesische Küche, weitgehend aus Bio-Produkten von regionalen Erzeugern, das ist seine Philosophie. Die Produzenten sind übrigens, vorbildhaft, auf der Speisekarte ausdrücklich vermerkt. Eine Ausbildung zum Koch hatte Rajesh Lama bereits in seiner Heimat absolviert, schließlich rührte der Bergführer für die Trekking-Touristen auch noch fleißig in den Töpfen. Und tat dabei zugleich was für ihre Gesundheit. So kredenzte er, kurz vor dem Gipfel, im Everest Camp Three, die nach diesem Camp benannte Knoblauchsuppe. Gut gegen die Höhenkrankheit, so erklärt er, da Knoblauch das Blut verdünnen und das Herz stärken soll. Das kulinarische Heilmittel steht auch auf der Speisekarte.

© 2019, Foto: Fritz Hermann Köser

Das Everest Base Camp liegt zwar weitaus tiefer, aber mit über 5000 Metern immer noch höher als jeder Gipfel in den Alpen. Nach ihm ist die Suppe benannt, die er nun serviert. Ein Kraftspender aus Brühe, saisonalen Gemüse, Nudeln und Lammfleisch. Die Portion ist so groß, dass sie als Hauptgericht durchgehen könnte. Das gilt auch für die Momos, die berühmten nepalesischen Teigtaschen, die man aber auch als halbe Portion mit vier Stück bestellen kann, entweder gedämpft oder in Chilisoße gebraten. Die Momo Namobuddha, benannt nach einem berühmten Kloster, mit saisonalem Gemüse gefüllt, kommen mit Salat und einer sehr milden Tomatensoße, die mit Koriander verfeinert wurde. Man mag es kaum glauben, aber sie enthält auch Pfeffer, es handelt sich dabei um eine nicht scharfe Variante aus Nepal, Timut genannt. Sehr teuer, versichert der Inhaber. Das Gericht ist so bekömmlich wie das milde, vegane Gemüse-Curry aus Auberginen, Champignons, Erbsen, Broccoli, Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer, das er mit Salat und Reis serviert.

© 2019, Foto: Fritz Hermann Köser

Die Momo Charikot, gefüllt mit Huhn, Zwiebeln und Koriander, wurden nicht nur in Chilisoße gegart, sondern sie schwimmen förmlich darin. Eine herrlich scharfe Suppe, die neben den besagten Schoten auch Tomate, Ingwer, Zwiebeln, Paprika, Salz und Masala-Gewürz enthält. Köstlich und pikant. Ein frisches, leichtes Everest-Bier löscht etwaiges Brennen im Rachen. Die Momos gibt es auch mit Wasserbüffelfleisch, das entfernt an Wild erinnert. Rajesh Lama hofft, bald Yak-Fleisch aus seiner Heimat beziehen zu können, die Verhandlungen laufen noch.

© 2019, Foto: Fritz Hermann Köser

Nahezu vegetarisch, bis auf ein paar kleine Stücke Lamm, ist seine Vorspeisenplatte, appetitlich in diversen Schüsseln angerichtet. Bara (schwarze Linsen mit Tomaten-Chutney), Bhute ko Chiura (gebratene Reisflocken), Aloo Sadeko (würziger Kartoffelsalat mit Gurken, Sesam, Erbsen und Zitronen), Mula ko achar (eingelegter Rettich), Bhatmas Sadeko (geröstete Sojabohnen mit frischem Koriander, Ingwer, Knoblauch und Tomaten), Badam Sadeko (gleiche Variante mit gerösteten Erdnüssen) sowie Kasi ko Choila (gegrilltes Lammfleisch). Alles in allem eine sehr knusprige Angelegenheit.

© 2019, Foto: Fritz Hermann Köser

Der Inhaber, der auch schon Reinhold Messner in Südtirol getroffen hatte, hatte in Berlin mit Streetfood angefangen, so überzeugend, dass es viele Gäste auch in sein neues Restaurant zog. Hier wartet auf die Besucher neben den Spezialitäten auch ein angenehmes Ambiente, stilvoll, zurückhaltend, das ohne jegliche Folklore an das Land im Himalaya erinnert. Eine Bar aus Stein und Holz, ein Mandala, eine Gebetsmühle, eine Buddha-Statue und natürlich ein eher abstraktes Gemälde vom Mount Everest. Der Berg sei heilig, versichert er. Und ein Stück Familientradition. Schon sein Vater hatte Everest-Erstbesteiger Edmund Hillary begleitet, bei dessen dritter Expedition.

© 2019, Foto: Fritz Hermann Köser

Die leichten, bekömmlichen Speisen hinterlassen ein angenehmes Sättigungsgefühl. Zeit für einen Digestiv. Das Dessert, Joghurteis mit Zimt, Kardamom und Cashew-Nüssen fällt der winterlichen Witterung zum Opfer. Lieber Rum, Wodka oder Whisky, alles aus Nepal. Der Khukri-Rum mit seinen 42,8 Prozent macht schließlich das Rennen. Völlig anders, aber keineswegs schlechter als die Artgenossen aus der Karabik. Intensiv würzig, aber ganz ohne die charakteristische Süße. Na denn „Svasthya“, also „Prost“.

Fotoreportage

Mehr Bilder zum Beitrag in der Fotoreportage: Nepalesische Küche im „Holy Everest“ auf dem Prenzlauer Berg in Berlin von Fritz Hermann Köser.

Holy Everest

Adresse: Gleimstraße 54, 10437 Berlin

Kontakt: Telefon: 01521 7241948, E-Mail: post@holyeverest.de

Heimatseite im Weltnetz: http://holyeverest.de