Hummus und Pluralismus – Im Kanaan in Berlin vereinen sich israelische Küche und gelebte Toleranz

Das Tablett biegt sich förmlich unter den vielen Speisen. © 2020, Foto/BU: Fritz Hermann Köser

Berlin, Deutschland (Gastrosofie). Eine Schnapsidee, ganz klar. Lass das bloß sein mit dem Lokal, hatten viele Oz Ben David geraten. Hummus und Falafel, hier, in Berlin? Gibt es doch an fast jeder Straßenecke. Und viel billiger. Aber eben nicht in dieser Qualität, sagt der Inhaber, der in einem Kibbuz aufgewachsen ist. Israelische Spezialitäten mit orientalischem Schwerpunkt, authentisch und mit Liebe zubereitet, wie einst von seiner Oma, das will der Inhaber des Kanaan seinen Gästen näherbringen. Seit sechs Jahren tut er dies nun, im Epizentrum des Prenzlauer Bergs, nahe dem Helmholtzplatz, mit seinem palästinensischen Partner. Offensichtlich läuft es gut, auch während Corona, die Tische in den stilvoll dekorierten Räumlichkeiten sind fast alle besetzt.

Das Geheimnis seines Erfolgs? Das lüftet sogleich eine freundliche Mitarbeiterin. Sie schleppt ein Tablett herbei, das sich unter den vielen Tellern und Schüsseln förmlich wölbt. Mezze, die Vorspeisen, mit denen im Orient das Essen eingeläutet wird. Alles frisch, alles selbst zubereitet, ein Großteil der Zutaten stammt von regionalen Produzenten. So wie der Ziegenkäse. Der ziert den orientalischen Salat aus Tomaten und Gurken mit einem Limonen-Granatapfel-Dressing. So knackig wie das eingelegte Gemüse. Dazu kredenzt sie drei Sorten Brot. Israelische Pita, kurdisches Brot sowie den recht mitteleuropäischen Kaiserbrötchen. Letztere aber orientalisch modifiziert, mit Olivenöl und arabischen Gewürzen.

Gefülltes Gemüse, mit einer fleischlosen Füllung. © 2020, Foto/BU: Fritz Hermann Köser

Und wer schon öfters Falafel bestellt hat – hier spielt der beliebte Snack in einer ganz anderen Liga. So viel frischer und zugleich würziger munden die beiden frittierten Kichererbsen-Ballen, dem reichlich Kräuter einen intensiven Grünton verleihen. Tadellos auch das Hummus mit ganzen Kichererbsen, angereichert mit einer sehr pikanten Knoblauch-Limonen-Soße. „Die palästinensische Variante“, so der Inhaber. Das israelische Pendant kommt als Hauptgericht, mit einem pochierten Ei. Es schmeckt nussiger, die Konsistenz ist cremiger. Gewürze, besonders Knoblauch, wurden hier weitaus sparsamer eingesetzt. Hummus ist eben nicht immer gleich Hummus.

Ebenso gelungen das gefüllte Gemüse, ein weiteres Hauptgericht. Doch in Tomate und Zwiebel stecken keineswegs Hackfleisch, obwohl es genauso schmeckt. Sonden ein Gemisch aus Soja, ägyptischem Reis und acht verschiedenen Gewürzen. Im Kanaan geht es strikt vegetarisch zu, aber auch Fleisch-Fans dürften mit dieser Füllung zufrieden sein. Dazu eine fruchtige Granatapfelsoße und Malawach, jemenitisch-jüdische Pfannkuchen, auf Blätterteig-Basis hergestellt.

Alle Gerichte haben eine orientalische Note. © 2020, Foto/BU: Fritz Hermann Köser

All das begleiten zwei Weine. Nuance nennt sich der libanesische Rosé aus dem Bekaa-Tal, vom Weingut Chateau Ksara. Eine Cuvée aus Malbec, Marselan und Vermentino, mit einer frisch-fruchtigen Note aus Melone, Pfirsich und Birne. Vom selben Hersteller stammt auch der zweite Rose´, Sunset, eine Cuvée aus Cabernet Franc und Syrah. Trocken und weich zugleich, es soll angeblich an der Reifung in natürlichen Höhlen-Kellern liegen, die 1857 von Jesuiten gegründet wurden und sich mehr als zwei Kilometer weit erstrecken.

Auch die Desserts lohnen. Etwa das Panna Cotta, das mit Kokosnuss verfeinert wurde. Dazu noch ein arabischer Kaffee, in einem Glas, das mit seinen kunstvollen Ornamenten ein echter Hingucker ist.

Sein Lokal soll mehr als nur ein Restaurant sein, bekräftigt der Inhaber. Nämlich ein Ort der Begegnung, des Miteinanders, der Toleranz. Egal welche Nationalität, Religion oder sexuelle Orientierung. In der Küche arbeiten Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan und Ägypten. Die Bedienung aus Kroatien ist transsexuell, er selber schwul. „I am Humus-sexuell“ steht auf seinem T-Shirt.

Seine Großmutter hatte den Holocaust überlebt, und für den Gastronom gab es nur einen einzigen Ort für sein Vorhaben: Berlin. Einstige Hauptstadt des Dritten Reichs. Und der Ort, an dem die Vernichtung der Juden beschlossen wurde. Seine Großmutter hatte ihm den Segen gegeben. Nur ein bestimmtes Geheimrezept, so hatte sie den Enkel noch gebeten, das dürfe er den Deutschen bitte auf keinen Fall verraten.

Kanaan Berlin

Adresse: Schliemannstraße 15, 10437 Berlin

Kontakt: Telefon: 01590 – 134 80 77, E-Mail: info@kanaan-berlin.de

Heimatseite im Weltnetz: https://www.kanaan-berlin.de

Öffnungszeiten: Mittwochs bis donnerstags von 18 Uhr bis 22 Uhr, freitags bis sonntags von 12 Uhr bis 22 Uhr