Berlin, Deutschland (Gastrosofie). Michael Meusert wurde von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) zum besten Jungwinzer 2025 ausgezeichnet. Für mich ist das ein guter Grund, früher die Weine und später den Winzer und das Weingut kennenzulernen.
Weingut Meusert GbR beziehungsweise die Inhaber Bernhard und Michael Meusert bieten eine Hand voll Rebsorten, genauer: Cabernet Cubin, Rieslander, Scheurebe, Silvaner und Traminer an, sowie Weine, Glühweine, Sekte und Secco an. Im Shop genannten Laden auf der Heimatseite des Weingutes Meusert im Weltnetz geht die Reise bei den Gutsweinen los, führt über die Lagenweine bis zu den Glühweinen, aber sehen Sie selbst. Den einen oder anderen Wein, mit dem wir bemustert wurden, werde ich kurz und knapp in Wort und Bild vorstellen.
Mit einem leichten Gutswein ist aller Anfang nicht schwer.
Der Silvaner 2024 vom Weingut Meusert
wurde in eine hellgrünen Weinflasche, die mich an das Grün junger Erbsen, frischer Blätter Basilikum und Rosenkohl erinnert, deren Fassungsvermögen von einem Liter durch einen dunkelgrünen Schraubverschluß abgedichtet wird, abgefüllt. Den Verschluß drehe ich auf und rieche. Nein, keine „fruchtige Frische“, sondern eine mineralische. Wohl wahr, daß ich mich wie wohl die meisten Trinker und Tester im Weingut des Herrn mit floralen Aromen leichter tue, diese in Worte zu kleiden, auch wenn ich meine Nase tief ins Glas stecke und nicht nur über dem Flaschenhals halte. Wie bei der Flasche oben so herrscht auch unten im Glas bei der Mineralität eher Engpaß. Eine mineralische Textur umschreibt der eine als feuchter Feuerstein, der andere als klammer Kiesel. Linguistikartistische Darbietungen reichen bei der Sensorik vom Benzin bis zum Bleistift. Wer hat nicht früher Blei und später eine Mischung aus Graphit und Ton im Mund gekostet? Vom Fressen von Kreide ganz zu schweigen!
Wie beim Spargel, zu dem dieser praktisch klare Silvaner paßt, überzeugt dessen dennoch beachtliche Bitterkeit in meinem Mund, den ich auch gerne für Asparagus in Weiß und Grün öffne und schließe. Beim Spargel sorgen vor allem Saponine und Senfölglycoside für die Bitterkeit, beim trockenen Silvaner 2024 sorgt sich Michael Meusert. Näheres werde ich beizeiten in Franken erfragen. Bei allen Ausführungen zur Mineralität will ist die für einen Silvaner typische feine Säure und zarte Blume nicht verschweigen.
Weiß auf Grün sind bei der Wahl der Flasche und dem Etikett auch meine. Unaufdringlich, modern und elegant wirkt das Weinetikett, nett scheint das Motiv eines Bootes auf Wellen, wohl denen des Flusses Main. Und siehe da: Das Weingut Meusert hat seinen Sitz in Fahr am Main. Die Schrift, teils Schreibschrift, teils Versalien, sogar prägend, ist schlank wie Reben, die ranken.
Mit seinem 12 % Volumenalkohol ist dieser Qualitätswein und Gutsweins ein leichter, der auch zu Rosenkohl oder einer Brotzeit mit kräftigem Käse und deftiger Wurst paßt. Bernhard und Michael Meusert empfehlen ihren Silvaner „als erfrischenden Begleiter an warmen Tagen“. Der trockene Silvaner würde laut dem von der DLG zum besten Jungwinzer 2025 gekürten Mann vom Main auch „einen super Sud für saure Zipfel“ abgeben.
Keine Frage, dieser Weißwein vom Weingut Meusert paßt zu den althergebracht auf dem Rost gebratenen dünnen Nürnberger Weißwürsten, eigentlich Nürnberg Rostbratwürste. Dazu Sauerteigbrot und Sud mit Zwiebeln, Gewürzen und Silvaner statt Weinessig, warum nicht?!
Dort, wo Friesland herb ist oder die Weser einen großen Bogen macht, dürfte dieser trockene Silvaner 2025 in der grünen Flasche mit dem weißen Etikett auch zu dem einen oder anderen Fischbrötchen vor, während und nach einem Werder-Spiel passen. Vorwärts immer mit Silvaner in Grün und Weiß!
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