Berlin, Deutschland (Gastrosofie). Seit 2012 wird im Restaurant Osmans Töchter, das von Arzu Bulut und Lale Yanik gegründet wurde, türkische Gastfreundschaft in Berlin geboten. Lange war das Restaurant mit moderner anatolischer offener Küche in der Pappelalle auf dem Prenzlauer Berg. Seit Anfang April 2026 befindet sich das Restaurant Osmans Töchter in der Prenzlauer Allee, genauer: auf dem neu bebauten Bötzow-Areal.

© Foto: Axl Jansen for Osmans Töchter Bötzow GmbH, Berlin, BU: Stefan Pribnow
Dort auf Bötzow ist Arzu Bulut die Geschäftsführerin der Osmans Töchter Bötzow GmbH. Neu ist nicht nur die GmbH und das Gebäude auf Bötzow, wo im Erdgeschoß das Restaurant untergebracht ist, neu ist auch das Interieur. Durch weite Fensterfronten, die vom Boden bis an die Decke reichen, strahlt jede Menge Tageslicht ins Restaurant und auf die Figur der Şahmaran, der legendären Schlangenkönigin aus der mesopotamischen Mythologie. Sie gilt als Göttin der Weisheit und Beschützerin von Geheimnissen. Davor steht die Geschäftsführerin und dann, wenn man Glück hat, gesellt sich auch Lale Yanik hinzu.
Şahmaran und Sultan

Şahmaran, auch Schahmaran geschrieben, ist in Anatolien eine mythische Figur, die – halb Frau, halb Schlange – auch für Fülle steht und also Futtern wie bei Muttern. Dem Mann aber, in den sich Şahmaran der Legende nach verliebt haben solle, kochte sie keine Gerichte. Sie erzählte dem Tasmsp genannten Touristen Geschichten. Doch als ihr die Ideen ausgingen, verließ er sie und kehrte in seine Heimat zurück. Die Heimat von Tasmpsp solle Tarsus gewesen sein. Die Stadt liegt zwischen Mersin am Meer und Adana. Sie galt und gilt als Stadt des Handels, des Wissens und der Künste. Daß aus Tarsus viele kunstvolle bildliche Darstellungen der Şahmarans stammen, das ist wohl wahr.

Die Malerei auf weißen Fliesen im Restaurant Osmans Töchter auf Bötzow, die farblich mit der Einrichtung harmoniert, stammt von Salomon Salih.

Meze, auch Meeze geschrieben, stammt hingegen wohl aus dem Persischen Reich und der Levanthe. Zur Zeit des Osmanischen Reiches, in der die Dynastie der Osmanen über ein mächtig gewaltiges Vielvölkerreich herrschte, verbreitete sich die Art des Servierens der Vorspeisen. Noch heute werden in der Türkei Gerichte in großer Zahl auf kleinen Tellern serviert. In dieser Tradition steht auch das Restaurant Osmans Töchter auf Bötzow. Und wie im Restaurant in der Pappelalle kommen Augenschmaus und Gaumenfreuden auch in der Prenzlauer Allee us einer offenen Küche.

Davon, daß „verschiedenste Gerichte gleichzeitig auf den Tisch“ kämen, „weitergereicht, probiert und gemeinsam genossen“ werden würden, erzählt Arzu Bulut mir. Gemeinsam genießen wir die Vielfalt kalter und warmer Meze, teilen Gerichte und Geschichten in angenehmer Atmosphäre, während sich der Magen füllt wie der Speisesaal. Schnell sind die über 130 Plätze drinnen besetzt. Draußen auf den über 150 Plätzen wäre noch Platz oder an der Bar, aber nicht mehr lange, denn auch die Lounge füllt sich schnell.

Kalte und warme Meze
Die Liste der Gerichte für kalte Meze ist lang. Fatamas hausgemachte Pide gehört immer dazu wie Weinblätter, die mir Reis, Sauerkirschen Pinienkernen, Korinthen, Piment, Minze, Zimt, Sauerkirschsauce, Joghurt und Zitronenkonfit gut gefüllt wurden, aber auch Fava und also Saubohnenpüree mit karamellisierten Zwiebeln, Tomaten, Tomatenrelish und Kapern möchten sein. Mir mundet Mütebbel und also geräucherte Aubergine mit Joghurt, verfeinert mit Walnüssen, Tahini, Granatapfel, Knoblauch und Zitrone sehr.
Auch Ceviche à la Turca – Wolfsbarsch, dazu fein geschnittenes Gemüse, Zitronenkonfit, Senfkörner, Olivenöl und Trüffel – ist toll und das Tatar. Çiğ Köfte ist eine traditionelle Boulette von Türken, also roh. Das Rinderfilet-Tatar wird mit feinem Bulgur, ausgesuchten anatolischen Gewürzen, frischen Kräutern,Tomate, Labneh, Granatapfelmelasse und Salat serviert. Traditionell wird lange geknechtet, wobei die Wärme der Hände das Fleisch gewissermaßen gart. Großartig!
Die Liste der warmen Meze ist länger. Gefüllte Pilze mit Fava, karamellisierten Zwiebeln und Tomatenrelish schmecken prächtig. Oh, wie schmeckt der Oktopus? Richtig, von Natur aus mild, etwas nussig, dezent süßlich, aber keineswegs fischig. Der in Rotwein geschmort Oktopus mit Kartoffeln, Chili, Zimt, Kreuzkümmel, Petersilie und Knoblauch ist eine Wonne. Gleiches gilt für das Wolfsbarschfilet.
Wahrlich, es darf auch Osmans Kebab sein sowie Lammspieß und gegrilltes Hähnchen mit Freekeh. Ich labe mich am Lammragout mit Feigen. Vorzüglich!
Kalte und warme Meze muß sein im
Restaurant Osmans Töchter
Adresse: Bötzow Areal, Prenzlauer Allee 247, 10405 Berlin
Kontakt: Telefon: 01722744662, E-Brief: info@osmanstoechter.de
Heimatseite: osmanstoechter.de
Anzeige:
Reisen aller Art, aber nicht von der Stange, sondern maßgeschneidert und mit Persönlichkeiten – auch kulturelle und kulinarische Reisen durch Anatolien –, bietet Retroreisen an. Bei Retroreisen wird kein Etikettenschwindel betrieben, sondern die Begriffe Sustainability, Fair Travel und Slow Food werden großgeschrieben.









